«Die Erste auf den Beinen und die Letzte, die heimgeht»

Bevor die Künstler des Lucerne Festivals die Bühne betreten, gibt es einiges zu tun: Seit zwölf Jahren kümmert sich Lisa Lang aus Nottwil im Kanton Luzern jeweils um die Verpflegung und den Taxi-Dienst - oder auch um das Wohlergehen der Dirigentenfüsse.

Die Jobs als Künstlerbetreuer würden nicht ausgeschrieben und sie habe grosses Glück gehabt, dass es bei ihr sofort geklappt habe, sagt Lisa Lang: «Ich habe mich einfach beim Festival gemeldet und gefragt, ob es die Möglichkeit gäbe, als Künstlerbetreuerin zu arbeiten. Und da das Team in diesem Moment noch Verstärkung brauchte, konnte ich gleich anfangen.»

Das war vor zwölf Jahren. Seither hat Lisa Lang schon mit unzähligen Künstlern zusammengearbeitet, ihnen spezielle Essenswünsche erfüllt, den Zeitplan gemanaged oder Chauffeuse gespielt. Dabei ist ihr besonders der Erste, den sie betreut hatte, in Erinnerung geblieben: Der Dirigent und Gründer der Lucerne Festival Academy, Pierre Boulez.

«  Ich habe ihn sehr positiv und menschlich in Erinnerung. Vor allem sein Händedruck ist mir geblieben, der war immer sehr weich, warm und fein. »

Lisa Lang
über den Dirigenten Pierre Boulez

Aber auch mit dem kürzlich verstorbenen Dirigenten Claudio Abbado verbindet die Künstlerbetreuerin eine besondere Geschichte: «Einmal hatte er einen eingewachsenen Zehennagel und bat mich, eine Podologin für ihn zu organisieren. Im Sommer sind aber alle Fusspflegerinnen in der Stadt hoffnungslos ausgebucht, und ich habe verzweifelt nach jemandem gesucht, der doch noch Zeit hat. Durch einen Tipp bin ich dann an eine junge Frau gelangt, welche sich bereit erklärt hat, nach Luzern zu kommen. Als sie im KKL ankam, war sie komplett aus dem Häuschen, weil ihr Vater ihr unterdessen erzählt hatte, wem sie die Füsse pflegen würde... Weil sie ihre Sache dann sehr gut gemacht und Claudio Abbado auch noch eine Fussmassage verpasst hat, war sie von diesem Tag an jeden Sommer seine persönliche Podologin.»

Auf die Frage, ob es im Klassik-Zirkus auch komplizierte Künstler gebe, antwortet sie diplomatisch:

«  Als ich in diesen Beruf eingestiegen bin, habe ich mir schon mal gedacht: 'Ach, das ist jetzt eine Diva!'. Mittlerweile sehe ich das anders: Jeder hat doch seine Eigenheiten - und Künstler drängt man wohl schneller in diese Ecke. »

Lisa Lang

Die Künstlerbetreuerin ist von Haus aus Lehrerin. An ihrem jetzigen Beruf schätzt sie vor allem die Arbeit im internationalen Umfeld, die Anwendung verschiedenster Sprachen und das Kennenlernen von ganz unterschiedlichen Menschen aus der ganzen Welt.

Und natürlich sei auch die ständige Auseinandersetzung mit klassischer Musik wunderbar: «Dadurch, dass ich bei den Proben immer mit den Werken konfrontiert bin, bin ich am Konzert bestens auf die Musik vorbereitet. Und schliesslich kann ich so viele Konzerte schauen, wie es sich wohl kaum jemand leisten könnte, das ist fantastisch!»

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr.