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Kirchen in Zeiten von Corona
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 09.04.2020.
abspielen. Laufzeit 05:42 Minuten.
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Digitale Predigten Ihr Kinderlein bleibet – Kirche in Zeiten des Social Distancing

In normalen Zeiten sind die Kirchen an Osterwochenenden so voll wie sonst nur zu Weihnachten. Dieses Jahr werden sie leerer sein als an einem Sonntagmorgen bei schönstem Wanderwetter. Wegen der Corona-Massnahmen bleiben jegliche Gottesdienste aus, die Kirchen müssen nach anderen Wegen suchen, um ihre Gemeinden zu erreichen. Das sei wichtig, meint Daniel Krieg, der als katholischer Pfarrer in Altdorf arbeitet, gerade in so schwierigen Zeiten wie jetzt sei das Bedürfnis nach Spiritualität und Glauben gross.

«Der Glauben braucht das Miteinander»

«Wir merken, dass sich die Menschen aktuell stark zu Symbolischem hingezogen fühlen», sagt Daniel Krieg. So hätten sie in Altdorf am Palmsonntag – eine Woche vor Ostern – in der Kirche einige Körbe mit den traditionellen Palmzweigen hingestellt, damit die Kirchenbesucher trotz ausbleibendem Gottesdienst etwas Besinnlichkeit nach Hause nehmen konnten. «Die Palmzweige gingen weg wie das WC-Papier in den Läden», lacht Krieg.

Für den katholischen Priester kann man aus der aktuellen Krise durchaus auch spirituelle Lehren ziehen. «Sie zeigt doch, dass wir aufeinander angewiesen sind.» Noch vor zwei Monaten, als jeder seinem Trott nachgegangen sei, habe er oft gehört, dass man zum Glauben ja nicht unbedingt in die Kirche müsse, man könne ja zum Beispiel auch zu Hause für sich beten – oder auf dem Fahrrad. «Das stimmt natürlich», sagt Krieg, «doch jetzt merken wir, dass der Glaube eben auch ein Miteinander braucht. Deshalb vermissen die Leute den Gottesdienst».

Predigt über Zoom

Ganz ähnliche Erfahrungen macht Pfarer Hansruedi Kleiber von der Luzerner Jesuitenkirche. Ihm falle die aktuelle Situation auch persönlich schwer. «Wenn ich in der Kirche vor leeren Bänken stehe, die sonst mit Menschen gefüllt sind, ist das eine schmerzliche Erfahrung.» Die Chance zur Selbstreflektion sieht auch Kleiber. «Es ist eine Gelegenheit, sich bewusst zu werden, was einem die gemeinsamen Gottesdienste eigentlich bedeuten.»

Die reformierte Pfarrerin Verena Sollberger – die in der Stadt Luzern arbeitet – sieht neben den Chancen auch Gefahren für Kirche und Glauben. «Wir haben nun eine grosse Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Gemeinschaft nicht auseinanderbricht.» Man müsse nach Formen suchen, wie man das Miteinander auch in Zeiten von Social Distancing pflegen könne.

Sie selbst habe etwa schon einen Gottesdienst über das Videotelefonie-Programm Zoom geplant. Das sei auf Interesse gestossen. «Ich war erstaunt, wie viele Leute sich gemeldet haben und meinten, sie würden gerne daran teilnehmen.» Vor der Krise hätte sie sich nicht vorstellen können, jemals so etwas auszuprobieren. «Ich ziehe das Analoge vor.»

Kameramann filmt Priester
Legende: Das Fernsehteam von Tele 1 bei der Aufzeichnung des ökumenischen Gottesdienstes in der Jesuitenkirche. SRF

Ökumenische Feier am Fernsehen

Für das Osterwochenende haben im Kanton Luzern die Katholische Kirche, die Reformierte Kirche und die Christkatholische Kirchgemeinde zusammengespannt. Am Karfreitag und am Ostermontag wird der Regionalsender Tele 1 eine ökumenische Feier übertragen. Diese sei bereits aufgezeichnet, sagt Hansruedi Kleiber von der Jesuitenkirche, der selber an der Feier mitgewirkt hat. «Das war eine spezielle Erfahrung. Man steht da vor leeren Rängen und muss sich vorstellen, zu tausenden von Menschen zu sprechen.»

Ganz digitalisieren lasse sich die Kirche indes nicht, ist Kleiber überzeugt. Für einige Dinge müsse man sich treffen. «Entgegen der Meinung vieler Leute kann ich am Telefon keine Beichte abnehmen.» Sollten die Sünden doch gar schwer wiegen, dann biete er geplante Einzeltreffen an. Der vorgeschriebene Sicherheitsabstand müsse dabei natürlich gewahrt werden, der Beichtstuhl komme daher nicht infrage.

Regionaljournal Zentralschweiz, 09.04.2020, 17:30 Uhr;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Ansermot  (Nergal)
    Irgendwann gibt es dann virtuelle Kirchen, mit virtuellen Pfarrer und virtuellen Beichtstühle wie in THX 1138 wo alles gebeichtete sofort an Big Brother weitergeleitet wird. Naja, wie auch immer, ich brauch zum Glück keine Kirchen um mit meiner Göttin oder androgynen Gottheit zu sprechen.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Meine Kirche ist der Wald. Da finde ich zu mir selbst:-)