Ein etwas überladenes Pariser Festessen für Auge und Ohr

Sie haben kein Geld, improvisieren sich aber trotzdem mit viel Lust durch’s Leben. «Bohème» nennt sich der Lebensstil von Künstlern, Studenten und Literaten im Paris der 1840er-Jahre. Das Luzerner Theater zeigt Giacomo Puccinis Oper «La Bohème» in einer grossen Produktion.

Szene aus einem Bistro am Luzerner Theater. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Musiker, Philosophen, Maler und Dichter feiern in Paris die Feste, wie sie fallen. Luzerner Theater/Toni Suter

Ein Dichter, ein Maler, ein Philosoph und ein Musiker diskutieren bei Wein und Brot über Gott und die Welt. Sie leben in einer ungemütlichen Wohnung im «Quartier Latin» in Paris. Auf den ersten Blick führen sie ein armseliges Leben. Aber: Sie haben dafür keine Verpflichtungen und können in den Tag hinein leben.

In Giacomo Puccinis «La Bohème» wird dieser Lebensstil gefeiert als Gegenentwurf zu einem bürgerlichen Leben. «La Bohème» zeigt aber auch die Schattenseiten dieser Künstlerexistenz.

In der Luzerner Inszenierung der Oper taucht das Publikum voll und ganz ein ins Paris der 1840er-Jahre. Das Zimmer der Künstler, die Gassen und sogar ein grosses Bistro mit viel Betrieb – das Bühnenbild und die Kostüme sind sehr aufwändig gestaltet.

Orchester legt sorgfältigen Klangteppich

Ohne Hemmungen wird hier der Nostalgie nach einer vergangenen Zeit gefrönt. Wer einen neuen Zugriff zum Stoff erwartet, wird allerdings enttäuscht.

Eindrücklich ist hingegen die Leistung des Gesangensembles. Das Luzerner Sinfonieorchester spielt präsent und gleichzeitig zurückhaltend. Das Orchester legt einen sorgfältigen Klangteppich aus, auf welchem die Gesangssolisten so richtig brillieren können. Fazit: Der Abend ist ein Festessen für Auge und Ohr – allerdings ein etwas überladenes Festessen.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17.30 Uhr