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Zentralschweiz Eklat in Seelisberg: «60 Asylsuchende sind zu viele»

In der Urner Gemeinde Seelisberg ist der Infoanlass zum geplanten Asylzentrum aus dem Ruder gelaufen. Die zuständige Regierungsrätin wurde beschimpft und musste ihre Präsentation abbrechen. Nun soll ein runder Tisch einberufen werden.

Legende: Video Aufstand in Seelisberg abspielen. Laufzeit 03:04 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 05.08.2016.

Gegen 400 Personen zwängten sich am Donnerstagabend für die Informationsveranstaltung in die Turnhalle im 700-Seelen-Dorf. Vor Ort wollten die Urner Sozialdirektorin Barbara Bär, weitere Vertreter des Kantons und des Roten Kreuzes über das geplante Erstaufnahmezentrum für bis zu 60 Personen im Hotel Löwen informieren.

Eine Aussenansicht des ehemaligen Hotels Löwen.
Legende: Das ehemalige Hotel soll zum Asylzentrum umgenutzt werden. SRF

Beschimpfungen

Die Regierungsrätin wurde aber gleich zu Beginn ihrer Präsentation von einer Gegnerin unterbrochen. «So nicht!», sagte die Sprecherin einer Interessengesellschaft gegen das Zentrum. Sie warf der Regierungsrätin Mangel an Respekt und Höflichkeit vor. Die Berggemeinde sei in den Sommerferien vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Sie habe mit ihrer politischen Dreistigkeit Unfrieden in der gesamten Gemeinde gestiftet.

Landrat Oswald Ziegler (CVP) sagte, der 700-Seelen-Ort Seelisberg lebe vom Tourismus und sei nicht fremdenfeindlich. Man habe stets Gäste beherbergt. Aber bis zu 60 Asylsuchende könne die Gemeinde nicht verkraften und treibe sie in den Ruin. Die Flüchtlinge müssten proportional auf alle 20 Gemeinden verteilt werden.

Weiter hiess es, 60 Asylbewerber auf den Berg nach Seelisberg zu schicken, werde die Dorfgemeinschaft nicht zulassen. An die Adresse der Regierungsrätin sagte eine weitere Bürgerin: «Kommen Sie wieder, wenn Sie einen vernünftigen Vorschlag präsentieren können.»

Abbruch nach einer Stunde

Unter Protest verliessen die Besucher nach und nach den Saal. Einige blieben vergeblich und wollten sich das Konzept der Regierungsrätin anhören. Der Anlass wurde schliesslich rund eine Stunde nach Beginn nach einem Vorschlag von Gemeindepräsident Karl Huser-Lüönd abgebrochen.

Bär will am Standort festhalten

Regierungsrätin Barbara Bär erklärte nach Abbruch der Veranstaltung im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda, sie wolle am geplanten Standort für das Asylzentrum in Seelisberg festhalten. Die Zahl der aufzunehmenden Asylbewerber, die der Kanton mit maximal 60 angegeben hat, sei nicht in Stein gemeisselt. Bär will nun einen runden Tisch einberufen mit Vertretern des Kantons, des Gemeinderats und der Interessengemeinschaft.

Im Dorf ist die Unsicherheit spürbar

Der Unmut gegen die 60 Asylsuchenden, ist in Seelisberg spürbar: So viele Asylsuchende passten nicht in die heile Bergwelt, heisst es im Dorf. Auch der junge Mann, der in einer Käserei arbeitet, findet die Zahl hoch, aber: «Wenn die Asylsuchenden hier keinen Platz haben, müssen sie an einem anderen Ort einen Platz finden. Das ist für die Leute sicher auch nicht einfach.» Er zeigt auf den Fussballplatz vor der Käserei: «Hier spielen wir einmal in der Woche. Es kommen nicht immer so viele Leute und ich denke, mit den Leute könnte man Spass haben – das würde sicher auch etwas Positives zum Dorf beitragen.»

Man könnte mit den Asylsuchenden Fussball spielen – das würde sicher auch etwas Positives zum Dorf beitragen.

Christoph Näpflin von der IG, die sich gegen das Asylzentrum einsetzt, beteuert, man sei nicht kategorisch gegen die Asylsuchenden. Am runden Tisch sei es aber wichtig, dass die Argumente der IG dabei diskutiert werden können und so eine verträgliche Lösung gefunden werde. Wie diese Lösung genau aussehen soll, darauf will er sich aber nicht festlegen.

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128 Kommentare

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  • Kommentar von Alistair Widmer (widmer.a)
    Uns geht's heute so gut,weil wir diese Länder und Kontinente geplündert haben.Es ist unsere Verantwortung als Schweizer dem Rechnung zu tragen.Das dabei Kriminelle und Wirtschaftsflüchtlinge dabei sind ist nicht zu verhindern.Die meisten Menschen jedoch sind in Not und dem Krieg entflohen.Wie kann man solche grausame unmenschliche Parolen von sich geben.Wir sind in der Privilegierten Lage,das kann sich irgendwann jedoch wenden,wollen wir so empfangen werden.Wenn man alles verloren hat.
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  • Kommentar von Alistair Widmer (widmer.a)
    Ich war mal so Stolz in einem Herzlichen Land zu wohnen,die Ihre Verantwortung nach kam.Sich bewusst war,dass Sie mit verantwortlich ist,das die Menschen die jetzt flüchten,einen schlechten Bildungsstand haben,an Krieg Armut leidet.
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  • Kommentar von Alistair Widmer (widmer.a)
    So haben die Menschen gegen die Juden geschrien!!!Unglaublich wie wir Menschen in 60 Jahren nichts gelernt haben.Wohin der Fremdenhass geführt hat wissen wir,scheinen es total auszublenden.Ich bin ein Junger Mensch und bin besorgt, nicht über die Bürger von Seelisberg sondern für die Asylanten.Die tag täglich diesen Hass zu spüren bekommen werden.Die Aussagen "wer schützt unsere Töchter,wer schützt uns Frauen"die sind fremde für unsere Kinder"!!!
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