«Es wird noch immer sehr viel Wolle weggeworfen»

In der Schweiz werden zur Zeit die Schafe geschert. Die Kosten für diese notwendige Angelegenheit sind hoch. Obwohl der Preis für die Schafwolle in diesem Jahr gestiegen ist, können die Schafbesitzer ihre Unkosten nicht decken. Eine Zerstörung der Wolle ist deshalb für einige Bauern lukrativer.

Ein Schaf, welches gerade geschert wird. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In der Schweiz werden die Schafe zweimal im Jahr von ihrem Kleid befreit. Keystone

Wegen der vielen Niederschläge in der Schweiz werden hierzulande die Schafe jährlich zweimal geschert. Das kostet den Bauern pro Schaf fünf bis sieben Franken. Dies bei einem Ertrag von 2.40 Franken pro Tier. «Die Differenz ist so gross, dass die Wolle noch lange Zeit ein Defizitgeschäft bleiben wird», sagt Ernst Vogel, Präsident des Schafhaltervereins Luzern.

Die Ursache liegt im aufwendigen Produktionsverfahren der Wolle. Diese wird zum Waschen nach Belgien transportiert. Zurück in der Schweiz muss die Rohwolle erst noch gezupft und gekardet werden, bevor sie zu hochwertigen Endprodukten weiterverarbeitet werden kann. Gerade in der Isolationsindustrie mache sich das stark bemerkbar, sagt Ernst Vogel: «Stein- und Glaswolle sind viel günstiger als Schafwolle und daher auch lukrativer für die Hersteller.»

Solange die Preise für den Rohstoff Schafwolle nicht markant steigen, ist es für einen Teil der Schafhalter günstiger, die Wolle zu zerstören. Dies gelte besonders für Schafbesitzer mit einem kleinen Tierbestand, führt Ernst Vogel weiter aus.

«Diese Bauern zahlen für den Transport zur kantonalen Sammelstelle mehr Geld, als sie am Ende für ihre Wolle erhalten.» Eine Lösung für die Schafbesitzer scheint derzeit in weiter Ferne.