Premiere am Luzerner Theater In 80 Tagen um die Welt – oder doch um Luzern?

Am Anfang steht eine Wette: «Ich schaffe es in 80 Tagen um die ganze Welt!» Das verspricht Phileas Fogg, die Hauptfigur aus dem Roman von Jules Verne. Das Luzerner Theater hat sich dem Roman angenommen und macht daraus ein schmissiges Jazz- und Swing-Musical. Eine Premierenkritik.

Die Handlung

Auf einem Erfinderkongress soll Erfinderin Frau Aouda eine Auszeichnung für ihr Schaffen verliehen werden. Plötzlich stürmt Phileas Fogg die Veranstaltung. Er behauptet, eine viel bessere Erfindung gemacht zu haben und ist verärgert, dass er nicht zum Kongress zugelassen worden war.

Fogg behauptet, eine Zeitmaschine erfunden zu haben und demonstriert sie den Anwesenden, um seine Ex-Frau Aouda zu beeindrucken und um auch einmal ein Held zu sein.

Allen ist sofort klar, dass Fogg zusammen mit seinem Kumpel Passepartout nur eine riesige Inszenierung abzieht mit Video und Requisiten. Fogg behauptet, durch Raum und Zeit zu reisen. Im Hintergrund sind aber Örtlichkeiten rund um Luzern zu sehen.

Die Stärken der Inszenierung

  • Das Stück ist eine regelrechte Slapstick-Orgie, die so rasant ist, dass man teilweise Mühe hat, zu folgen. Die Umsetzung des Grundthemas in der Inszenierung von Martin G. Berger überzeugt aber gerade deshalb: Fogg und Passepartout erfinden ihre Welt, ihre Realität, ihre Fakten gleich selber – und dies in einem solchen Tempo, dass man nicht mehr weiss, was Fantasie und was Realität ist.
  • Das Ensemble mit Robert Maszl, Jason Cox, Sarah Alexandra Hudarew, Yves Wüthrich und dem Damenchor des Luzerner Theaters kann sein komödiantisches Talent so richtig ausleben.
  • Das Lucerne Brass Ensemble begleitet den Abend mit knackigem Jazz-, Swing- und Broadway-Sound – gesprenkelt mit Filmmusik-Ausschnitten. Das Ensemble weiss aber auch bei der Begleitung der Sänger zu überzeugen.
  • Der Abend ist ein ziemlich brachialer Angriff auf die Lachmuskeln. Das polarisiert. Aber insgesamt ist «In 80 Tagen um die Welt» ein unterhaltsamer Theaterabend.

Die Schwächen der Inszenierung

  • Im regelrechten Gag-Feuerwerk geht die Rahmenhandlung irgendwann unter. Die Charaktere bleiben blass und haben praktisch keine Eigenschaften.
  • Die Inszenierung will immer noch einen draufsetzen. Das führt zu Längen und kann mit der Zeit etwas ermüden.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr