Judith Stamm, die grosse Vorkämpferin für Frauenrechte, wird 80

Während Jahrzehnten prägte die studierte Juristin als CVP-Nationalrätin die schweizerische Politik. Zusammen mit anderen Frauen kämpfte Judith Stamm unermüdlich für die Gleichberechtigung. Heute sieht sie mit Befriedigung, dass etliche Ziele erreicht sind. Andere seien es aber immer noch nicht.

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Bildlegende: Judith Stamm feiert ihren 80. Geburtstag. zvg

Am 25. Februar feiert Judith Stamm ihren 80. Geburtstag. Heute führe sie zwar ein gelasseneres Leben als früher, erklärt sie im Gespräch mit dem «Regionaljournal Zentralschweiz». Aber nach wie vor könne sie sich über die Schweizer Politik aufregen: «Ich bin immer noch Stimmbürgerin und habe darum die Legitimation, mich aufzuregen oder sogar einzumischen.»

Während vieler Jahre gehörte Judith Stamm zu den prägenden Figuren des politischen Lebens. Die gebürtige Schaffhauserin, die in Zürich aufgewachsen war, studierte Jura und war im Kanton Luzern eine der ersten Grossrätinnen. Für die CVP zog sie 1983 in den Nationalrat ein und wurde 1996 Nationalratspräsidentin.

Als Vorkämpferin für die Rechte der Frauen scheute Judith Stamm kaum eine Auseinandersetzung. Sie vertrat ihre Positionen unerschrocken - auch gegen konservative Männer innerhalb ihrer eigenen Partei. Bis gegen Ende der 1990er-Jahre kämpfte sie lautstark für die Emanzipation der Frauen.

Freude am Erreichten

Das politische Geschehen verfolgt sie weiterhin aufmerksam und schreibt auch Kolumnen. «Ich glaube, manchmal benehme ich mich wie ein Soldat im Schützengraben, der nicht gemerkt hat, dass Frieden herrscht.» Sie freut sich aber vor allem darüber, dass viele ihrer Ziele erreicht worden sind.

Gleichzeitig bedauert sie, dass die Frauennetzwerke eingegangen sind, welche lange Zeit die Kontakte und Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg ermöglicht hatten.

Was sie mitunter mit Sorgen beobachtet, ist das Funktionieren der direkten Demokratie in der Schweizer Politik. Die Stimmbeteiligung sei viel zu tief, kritisiert Judith Stamm. «Man muss sich immer wieder fragen, wie man die Bürger mehr für die Politik interessieren kann.»