Kanton Luzern verteilt Flyer mit Benimm-Regeln für Asylsuchende

Eine Woche vor Fasnachtsbeginn hat der Kanton Luzern in Asylzentren Flyer mit allgemeinen Benimm-Regeln verteilt. Anlass waren die jüngsten Übergriffe auf Frauen in Deutschland und Ängste in der Luzerner Bevölkerung. Das Faltblatt löst nicht nur Begeisterung aus.

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Flugblatt mit Benimmregeln für Asylsuchende

3:35 min, aus Schweiz aktuell vom 27.1.2016

Das Faltblatt stammt vom Luzerner Gesundheits- und Sozialdepartement. Am Mittwoch wurde der Flyer im Asylzentrum Hirschpark in der Stadt Luzern den Medien vorgestellt. Er enthält 20 Piktogramme mit kurzen Begleittexten zu Grundregeln für das Zusammenleben in der Schweiz. Die Flyer werden in diesen Tagen in den kantonalen Asylzentren abgegeben.

Thematisiert werden der Rechtsstaat, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Rechte der Kinder sowie Regeln im öffentlichen Leben. Eine der Regeln lautet, dass sexuelle Gewalt verboten sei. Dazu gehörten auch unerwünschte Berührungen. Auch sexuelle Handlungen von Erwachsenen mit Kindern unter 16 Jahren seien strafbar.

Für Erstgespräche gedacht

Die Prospekte sollen bei Erstgesprächen mit Asylsuchenden - auch nach der Fasnacht - zum Einsatz kommen, erklärte Silvia Bolliger, Sprecherin des Gesundheits- und Sozialdepartements. In einer ersten Auflage wurden über 4000 Exemplare gedruckt. Sie sind vorerst nur auf Deutsch verfügbar, sollen aber in weitere Sprachen übersetzt werden.

Bereits als der Kanton den Flyer ankündigte, löste dies Kritik aus. Der Tenor: Dass auch sexuelle Belästigung thematisiert wird suggeriere, dass vor allem Asylsuchende ein Problem mit dem Thema hätten. Silvia Bolliger entgegnet: «Es geht darum zu erkennen, wo sexuelle Belästigung beginnt. Zum Beispiel, wenn man jemanden berührt, der das gar nicht will.»

Mehrere Asylsuchende äusserten sich vor den Medien positiv zum Flyer. Die gewalttätigen Übergriffe in Deutschland und die Berichterstattung darüber hätten auch unter den Bewohnern des Asylzentrums Hirschpark in Luzern zu Diskussionen geführt, sagte Zentrumsleiterin Martina Gerber. Viele Bewohner würden sich aber dagegen wehren, in den gleichen Topf wie jene Gewalttäter geworfen zu werden.