«Keine Ahnung, was ein Burn-out ist»

15 Jahre lang wirkte Paul Richli an der Universität Luzern. Er war Gründungsdekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, seit 2010 amtet er als Rektor. Ende Juli tritt der 70-Jährige von seinem Amt zurück - und steckt noch voller Tatendrang.

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Bildlegende: Paul Richli in seinem Büro, das er bis Ende Juli räumen muss - mitsamt grosser Palme. SRF/Thomas Heeb

Paul Richli stammt aus Hallau im Kanton Schaffhausen und hatte ursprünglich eine kaufmännische Lehre absolviert. Nach der Maturität und dem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft arbeitete er beim Bund und an den Universitäten von Bern, St. Gallen und Basel.

«Einfache Aufgaben interessieren mich nicht so»

Im Jahr 2000 kam er als Gründungsdekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an die noch junge Universität Luzern. «Heute ist die Fakultät sehr gut aufgestellt», sagt Richli im Gespräch mit Radio SRF: «Erst vor kurzem erreichte ein Team der Uni Luzern bei einem juristischen Wettstreit in Wien den ersten Platz und liess 300 andere Teams aus aller Welt hinter sich.»

Später war Paul Richli Prorektor und Strategiebeauftragter der Uni Luzern und arbeitete daneben stets auch als Dozent. Im August 2010 wurde er Rektor der Universität Luzern mit ihren aktuell vier Fakultäten, knapp 70 Professuren und 2800 Studierenden.

Zuletzt engagierte sich Richli stark für die neue Wirtschaftsfakultät an der Uni, die im kommenden Herbst ihren Betrieb aufnimmt. Die Geldsuche dafür gestaltete sich nicht ganz einfach, und Richli steuerte sogar einen Beitrag aus seinem privaten Vermögen bei.

Für den abtretenden Rektor waren derlei Schwierigkeiten aber kein Hindernis, sondern eher Ansporn:«Einfache Aufgaben haben mich nie wirklich interessiert, sonst wäre es mir ja langweilig geworden im Rektorat.»

Die Palme als Herausforderung

Nun blickt er voller Tatendrang voraus auf die Zeit nach dem 31. Juli, wenn er sein Büro geräumt hat: «Ich konnte mich stets gut auf Neues einstellen, und auch dieses Mal habe ich genug Ideen, was ich machen könnte. Ich fühle mich jedenfalls nicht ausgebrannt. Eigentlich habe ich keine Ahnung, was ein Burn-out ist.» Zum Beispiel sei er noch an verschiedenen Buchprojekten beteiligt. Richli wohnt mit seiner Frau in Luzern und geht gern auf Wanderungen.

Zunächst aber räumt Paul Richli sein Büro im vierten Stock des Uni-Gebäudes beim Bahnhof. Vor allem private Bücher müssen gezügelt werden - aber nicht nur: Eine besondere Herausforderung sei die grosse Palme, die bis an die Decke reicht: «Die stand schon in meinem Büro an der Pfistergasse, und ich weiss noch nicht, wie ich sie hier wieder herausbringe.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr