Luzerner Polizeiaffäre:«Es gibt noch weitere Fälle»

Die Untersuchungen zu den Vorwürfen gegen die Luzerner Polizei sind angelaufen. «Es wurden uns von verschiedenen Seiten weitere Fälle zugetragen», sagt die zuständige Regierungsrätin Yvonne Schärli, wegen des laufenden Verfahrens dürfe sie aber nicht mehr sagen.

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Bildlegende: Die Luzerner Justiz- und Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli. Keystone

«Jürg Sollberger hat seine Arbeit sofort aufgenommen», sagt die Luzerner Regierungsgrätin Yvonne Schärli. Der Regierungsrat hat Anfang Juli den Berner alt Oberrichter und Strafrechtsexperten Jürg Sollberger mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt. Sollberger gibt während den Untersuchungen gegenüber den Medien keine Auskunft.

Nachdem Ende Juni die Polizeiaffäre bekannt wurde, seien ihnen weitere Fälle von verschiedenen Seiten zugetragen worden, sagt Yvonne Schärli. Diese Fälle würden nun alle zum unabhängigen Experten gehen, welcher entscheide, ob eine vertiefte Untersuchung notwendig sei.

Freie Hand

Jürg Sollberger hat in Luzern ein Büro zur Verfügung und freie Akteneinsicht. «In unseren Gesprächen hat Jürg Sollberger gesagt, er sei mit den zur Verfügung gestellten oder angeforderten Unterlagen zufrieden», sagt die zuständige Regierungsrätin. Bis wann ein Zwischenbericht vorliege, sei noch offen.

Kaderpolizisten arbeiten nicht

Die beiden Kaderpolizisten, gegen die sich die Hauptvorwürfe richten, arbeiten zurzeit nicht. Der eine soll seine Freundin verprügelt haben und wurde wenige Monate danach befördert. Er wurde von der Regierungsrätin Yvonne Schärli suspendiert. Der andere Kaderpolizist habe eine Arbeitskollegin sexuell belästigt. Er ist seit dem letzen Jahr krankgeschrieben.

Ombudsstelle

Der Regierunsgrat hat als Sofortmassnahme eine sogenannte Whistleblowingstelle in Aussicht gestellt, bei der Polizisten Missstände melden können. «Ich hoffe, dass ich demnächst die Öffentlichkeit über die Stellenbesetzung orientieren kann», sagt Yvonne Schärli.

Polizeikommandant unter Druck

Auf die Frage, ob sich Polizeikommandant Beat Hensler unabhängig von den Untersuchungsresultaten an der Spitze der Polizei halten könne, sagt Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli: «Wichtig ist zuerst die Untersuchung durch den Experten, dann ist zu entscheiden, wie es weitergeht. Vorher ist diese Frage nicht zu beantworten.»