Luzerner Theater auf der Suche nach dem guten Menschen

Kann ein Mensch als guter Mensch im Kapitalismus überleben? Bertolt Brechts «Der gute Mensch von Sezuan» stellt auch heute noch aktuelle Fragen. Die neue Inszenierung im Haus an der Reuss bietet einiges, jedoch keine neue Antworten.

Zwei Schauspieler auf der Bühne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Daniela Britt als Shen Te und Hans-Caspar Gattiker als Yung Sun in «Der gute Mensch von Sezuan» im Luzerner Theater. zvg

Die Götter schweben vom Himmel herab, auf der Suche nach einem «guten Menschen», für den es sich lohnt, die Welt fortbestehen zu lassen. Aber sie setzen sich sogleich ins Publikum und haben zum Geschehen nichts weiter beizutragen, bleiben Betrachter von aussen.

Immerhin setzen sie das Spiel in Gang, in dem die Prostituierte Shen Te um ein würdiges Leben kämpft in einer Umgebung, die ihr permanent Hindernisse in den Weg legt.

Plastikwelt

Schauspielchef Andreas Herrmann hat Brechts Stück am Luzerner Theater an einem fiktiven Ort in einer Plastikwelt inszeniert. Das fernöstliche Kolorit wurde fast gänzlich gestrichen, und dank gelungenen Regie-Einfällen gelingen ein paar schöne Bilder auf der Bühne von Max Wehberg.

So kann die Plastikfolie auch als Leinwand und Kulisse dienen. Sie bietet aber auch Hindernisse und knistert so unüberhörbar, dass das Ensemble fast durchwegs sehr laut sprechen muss. Im Zusammenspiel mit dem oft deklamatorischen Text von Brecht führt das dazu, dass die Figuren nicht wirklich berühren.

Das liegt weniger an den Schauspielerinnen und Schauspielern. Angeführt von Daniela Britt als Shen Te und Christian Baus, der gleich vier Rollen verkörpert, legen sie eine solide Leistung auf das Parkett. Dennoch bleibt auch in Luzern vor allem ein Satz aus dem Epilog hängen: «Der Vorhang zu und alle Fragen offen.»