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Kloster Rickenbach: Statt Dominikaner-Schwestern wohnen hier bald jüngere Menschen mit Demenz
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 09.07.2020.
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Neue Nutzung für altes Kloster Bald ziehen hier junge Menschen mit Demenz ein

Es ist ein Pionierprojekt: Im Kanton Luzern wird ein Kloster umgebaut, um Demenzkranke unter 65 Jahren zu betreuen.

Im ehemaligen Kloster im luzernischen Rickenbach wohnen keine Nonnen mehr – die kleine Gruppe der Dominikaner-Schwestern, die bis zuletzt dort gelebt hatte, kehrte vergangenes Jahr in ihr Mutterhaus nach Deutschland zurück. Doch bald sollen neue Bewohnerinnen und Bewohner in den Gebäudekomplex einziehen: Demenzbetroffene Menschen. Genauer: Demenzbetroffene Menschen, die jünger sind als 65 Jahre. Die gibt es nämlich durchaus. Von den rund 130'000 Personen, die in der Schweiz unter Alzheimer leiden, sind über 7000 noch keine 65 Jahre alt – Tendenz steigend.

Jüngere Demenzkranke haben andere Bedürfnisse

Für diese Patientinnen und Patienten gibt es in der Schweiz bislang keine spezifischen Betreuungsangebote. Doch die sind wichtig, sagt Luzia Hafner. Sie ist eine der Initianten des Projekts. «Jüngere Demenzbetroffene stehen noch in einem völlig anderen Lebensabschnitt als demente Menschen der älteren Generation», sagt sie. «Sie sind körperlich meistens noch topfit, sie haben einen Job, ein aktives Familienleben, Verpflichtungen – während Ältere aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses schon viele Dinge losgelassen haben.» Daraus entstünden verschiedene Verlustempfindungen, die bewältigt werden müssten.

Blick auf die ehemalige Klosteranlage in Rickenbach.
Legende: Damit das ehemalige Kloster neu genutzt werden kann, muss es umgezont werden - die Stimmbevölkerung von Rickenbach bewilligte diese Umzonung Ende Juni. Hof Rickenbach / Roger Dula

Luzia Hafner, ausgebildete Pflegefachfrau, hat bereits 2005 damit begonnen, demente Menschen zu betreuen, und zwar auf ihrem Hof in Ruswil. Sie nahm sie ein paar Tage oder auch länger bei sich auf – als Entlastung für die Angehörigen. Aufgrund der grossen Nachfrage wollte sie den Hof ausbauen, scheiterte aber damit: Das Projekt sei nicht zonenkonform, beschied ihr die Gemeinde 2017.

«Raum der Stille» wurde zum Projektbüro

Hafner nahm darauf einen neuen Anlauf, suchte nach einem anderen Ort für ihre Idee. Bis sie in Rickenbach fündig wurde. Im ehemaligen Kloster. Zusammen mit Edith Kaufmann – auch sie ausgebildete Pflegefachfrau und bereits auf Hafners Hof in Ruswil tätig – machte sie sich daran, das Projekt aufzugleisen. Aus dem Kloster Rickenbach sollte der Hof Rickenbach werden.

Mittlerweile haben die beiden den «Raum der Stille» des ehemaligen Klosters in ihr Projektbüro umfunktioniert. Hier laufen die Fäden zusammen, finden Sitzungen statt.

Die Projektleiterinnen, die aus dem Kloster ein Betreuungsangebot für Demenzkranke machen wollen: Edith Kaufmann (links) und Luzia Hafner.
Legende: Die Projektleiterinnen, die aus dem Kloster ein Betreuungsangebot für Demenzkranke machen wollen: Edith Kaufmann (links) und Luzia Hafner. SRF

Zu bereden gibt es viel, denn der Weg vom Kloster zum Betreuungszentrum für Demente ist kein einfacher. Die Dominikaner-Schwestern stehen zwar hinter der Idee. Doch es gab Hürden – etwa der Zonenplan der Gemeinde. Das Kloster musste umgezont werden, damit eine Nutzung als Betreuungsinstitution möglich wird. Die Rickenbacher Stimmbevölkerung stimmte dieser Umzonung Ende Juni mit einer überdeutlichen Mehrheit von 96 Prozent zu.

Das Geld ist noch nicht ganz beisammen

Dann kommt aber bereits die nächste Schwierigkeit: das Geld. Rund 12 Millionen Franken kostet der Kauf und der Umbau des Klosters. Luzia Hafner und Edith Kaufmann sagen, sie seien auf gutem Weg, das Foundraising-Team habe einen grossen Betrag bereits beisammen.

Immerhin: Der Klosterkomplex ist baulich in gutem Zustand. Er ist erst rund 35 Jahre alt und muss auch nicht gross umgebaut werden. «Die Voraussetzungen sind gut, vieles ist vorhanden, auch die Aufteilung der Zimmer passt», sagt Edith Kaufmann. «Eine Klosterschwester hat uns gesagt, sie habe den Eindruck, das Gebäude sei für uns vorbereitet worden.»

Blick in ein Zimmer des ehemaligen Klosters.
Legende: Ohne grossen Pomp und Luxus: Blick in ein Zimmer des ehemaligen Klosters. Hof Rickenbach / Roger Dula

Diesen Herbst sollen die Umbau- und Sanierungsarbeiten beginnen – bereits im kommenden Frühling sollen die ersten Menschen mit Demenz einziehen. Insgesamt sollen dereinst 25 jüngere Bewohnerinnen und Bewohner im ehemaligen Kloster leben. Dazu kommen 12 Ferienplätze für Demente. Das Kloster Rickenbach wird dann der Hof Rickenbach sein.

Ein Aufenthaltsraum im ehemaligen Kloster.
Legende: Ein Aufenthaltsraum im ehemaligen Kloster. Hof Rickenbach / Roger Dula

Wichtig ist den beiden Intiantinnen, dass die Anlage offen bleibt, die ehemalige Klosterkappelle zum Beispiel weiterhin besucht werden kann. «Die Menschen in Rickenbach haben eine grosse Verbundenheit mit dem Kloster und das soll auch so bleiben», sagt Edith Kaufmann. Ihr Ziel sei eine Durchmischung der Menschen: «Gesunde und Kranke sollen hier ein möglichst normales Leben führen können.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 9. Juli 2020, 17:30 Uhr;

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