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Neuer Blick auf alte Schlacht «Der Tourismus war eine treibende Kraft hinter Morgarten»

Die Schlacht am Morgarten hat ihren festen Platz in der Schweizer Geschichte. Die Luzerner Historikerin Silvia Hess zeigt nun auf, welchen Anteil Reiseschriftsteller und Verkehrsvereine daran hatten.

Legende: Audio Silvia Hess: «Verkehrsvereine sahen in Morgarten ein Marketinginstrument» abspielen. Laufzeit 08:03 Minuten.
08:03 min, aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 16.09.2018.

Die Geschichte ist alt und die Quellenlage dünn. Sicher ist einzig: 1315 kam es irgendwo zwischen Morgarten im Kanton Zug und Sattel im Kanton Schwyz zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Habsburgern und Eidgenossen. Das Ereignis ging als «Schlacht am Morgarten» in die Geschichte ein. Seit Generationen wird sie im Geschichtsunterricht behandelt, 2015 - im Gedenkjahr 700 Jahre nach der Schlacht - wurde an Veranstaltungen und in Publikationen an sie erinnert.

Einen neuen Blick auf Morgarten wirft nun die Luzerner Historikerin Silvia Hess. Nicht auf die Schlacht, sondern was aus der Erinnerung an sie wurde. «Morgarten - Die Inszenierung eines Ortes» heisst ihr soeben erschienes Buch. Und es zeigt auf, wie gross die Rolle des Tourismus war, um aus Morgarten einen geschichtsträchtigen Ort zu machen.

Morgarten wurde erst 1909 zu Morgarten

«Während Jahrhunderten interessierte man sich nur in der Region für den Ort der Schlacht am Morgarten», sagt die Historikerin im Gespräch. «Erst als ab 1750 vor allem deutsche Reiseschriftsteller Morgarten besuchten und beschrieben, wuchs auch in der Schweiz das Bewusstsein für den Ort.»

Während Jahrhunderten interessierte man sich nur in der Region für den Ort der Schlacht am Morgarten.
Autor: Silvia HessHistorikerin

Im 19. Jahrhundert sahen lokale Verkehrsvereine in der Schlacht am Morgarten dann die Möglichkeit, das Ägerital touristisch besser zu vermarkten. Mehrere Gasthöfe und ein Dampfschiff trugen den Namen Morgarten - und schliesslich wurde 1909 gar der Weiler Hauptsee in Morgarten umbenannt. Das klang einfach geschichtsträchtiger.

Zug und Schwyz stritten sich um das Schlachtfeld

Erst im Ersten Weltkrieg schaffte Morgarten dann den Sprung von regionaler zu nationaler Bedeutung. Anlass war die 600-Jahr-Feier von 1915: Die Kantone Schwyz und Zug planten jeweils eine Gedenkfeier auf ihrem Territorium - beide beanspruchten die Schlacht für sich. «Der Bundesrat musste intervenieren und es wurde ein gemeinsames Festprogramm erarbeitet», sagt Silvia Hess. «Man wollte verhindern, dass die Erinnerung an Morgarten die Schweiz entzweit - gerade in Kriegszeiten.»

Morgarten ist ein Ort, an dem Geschichte inszeniert wurde. Und auch wenn sich diese Inszenierung und die Bedeutung Morgartens im Lauf der Jahrhunderte verändert hat - Silvia Hess ist überzeugt: «Das Interesse an Morgarten wird auch in Zukunft bestehen bleiben.»

Das Buch «Morgarten - Inszenierung eines Ortes» der Luzerner Historikerin ist im Verlag Hier und Jetzt erschienen.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Tanner (mikado5034)
    Solche Myten und G'schichtli entstanden damals ja allenthalben. Man darf sie durchaus entmystifizieren, denn irgendwie ist es ja auch ein Teil der Geschichte der Schweiz, dass man auf ebensolche Geschichten zurückgegriffen hat, um das zu definieren, was heute "Schweiz" bedeutet. Interessant fände ich es, etwas mehr über die Zeit des 19. Jahrhunderts zu erfahren, welche Kreise diese Geschichten zu dem entwickelten, was sie heute sind. Es lag ja wohl schon gute Absicht dahinter.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Einmal mehr viel Rauch um nichts. Wie bei der Tell Geschichte. Ach ja und für alle Deutschen - Kritiker: was wären unsere Eidgenössischen Mythen ohne die Deutsch die sie erst förderten, dichteten und dann verbreiteten. Da muss vorallem die SVP einmal ein ganz dickes Dankeschön nach Deutschland schicken.
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