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Neues Adoptionsgesetz Vincent darf nun offiziell zwei Mamis haben

Seit Januar sind Stiefkind-Adoptionen für homosexuelle Paare möglich. In der Region sind erste Gesuche eingegangen.

Zwei Frauen und ein Bube auf einem Laufrad
Legende: Wollen auch vor dem Gesetz eine Familie sein: Tanya Fraser (links) und Tania Dietsche mit Sohn Vincent. SRF / Lars Gotsch

Der zweieinhalb-jährige Vincent schwingt sich auf sein hölzernes Laufrad und düst davon. Seine beiden Mamis spazieren ihm hinterher – Familienausflug zum benachbarten Bauernhof. Wobei: Mami ist eigentlich nur Tania Dietsche, ihre Partnerin Tanya Fraser ist die Mama. «Ich bin aus dem Wallis und da sagt man Mama», erklärt Tanya Fraser, «und so wissen wir, wer gemeint ist, wenn uns Vincent ruft».

Tanya Fraser und Tania Dietsche sind seit sieben Jahren ein Paar. Sie haben sich bei der Arbeit kennengelernt. Die beiden wohnen mit Sohn Vincent in einer Luzerner Agglomerationsgemeinde.

Eigentlich war Ihnen schon relativ früh klar, dass sie zusammen eine Familie gründen wollen. Am Anfang zweifelten sie aber noch: «Wir haben uns überlegt, ob das wirklich schlau ist, wenn ein Kind mit zwei Müttern aufwächst», sagt Fraser.

Irgendwann sei ihnen jedoch klar geworden, dass das Kind in einer glücklichen Familie aufwachsen würde. «Er kann mit zwei Elternteilen aufwachsen und ist ein absolutes Wunschkind», so Fraser.

Rechtlich nicht abgesichert

Sobald der Familienwunsch ausgereift war, machten sie sich auf die Suche nach einem Samenspender und wurden fündig. Vor gut zwei Jahren hat Tanya Fraser dann Vincent zur Welt gebracht.

Seit da fühlten sie sich zwar als Familie, sind rechtlich jedoch nicht als solche abgesichert. «Falls mir als nicht-leibliche Mutter etwas zustossen sollte, gäbe es keine Waisenrente für Vincent», sagt Tania Dietsche, «wenn umgekehrt Tanya etwas zustossen sollte, könnte ich Vincent nicht automatisch bei mir behalten».

Das kann sich nun ändern. Seit Anfang Jahr hat die Schweiz ein neues Adoptionsgesetz und mit diesem sind Stiefkind-Adoptionen innerhalb gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt.

Voraussetzung ist, dass das Paar in einer stabilen Beziehung lebt und seit mindestens drei Jahren im selben Haushalt lebt. Ausserdem darf zum Beispiel bei einem schwulen Paar, der eine Mann nur das Kind des Partners adoptieren, die gemeinsame Adoption eines fremden Kindes ist nicht erlaubt. Dasselbe gilt natürlich für lesbische Paare.

«Wir rechnen mit einem positiven Entscheid»

Die Familie ist beim Bauernhof angekommen, Vincent stellt sein Laufrad ab und geht mit seiner Mama Ziegen füttern. Derweil erzählt Mami Tania Dietsche, dass sie ihr Adoptions-Gesuch unmittelbar nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes eingereicht hätten. Momentan warten die beiden auf den Entscheid es Kantons.

«Wir rechnen schon mit einem positiven Entscheid, alle Voraussetzungen sind erfüllt. Trotzdem erwarten wir ihn natürlich sehnsüchtigst», sagt Dietsche. Dann lacht sie: «Wenn endlich klar ist, dass ich Vincent adoptieren darf, öffnen wir eine Flasche.»

Typische Schweizer Familie

Dass bei ihnen etwas anders ist, als bei anderen Familien hätten sie Vincent nie vorenthalten, sagt Tanya Fraser. «Er weiss, wer sein biologischer Vater ist und hat ihn auch schon getroffen. Uns ist wichtig, dass Vincent sich später mal an ihn wenden kann, wenn er Fragen zu seiner Herkunft hat. Bis jetzt hätte ihr Sohn diesbezüglich aber noch keine Fragen gehabt.

Der Besuch auf dem Bauernhof ist vorbei, die drei machen sich auf den Heimweg, zurück in ihr Einfamilienhaus am Rande der Luzerner Agglogemeinde. Vincent geht noch ein wenig im Sandkasten spielen, bevor später dann das Grossmami auf Besuch kommt. Eine typische Schweizer Familie halt.

Gesuche von Zentralschweizer Homo-Paaren

Seit Anfang Jahr sind in fast allen Zentralschweizer Kantonen Adoptionsgesuche von gleichgeschlechtlichen Paaren eingegangen. Im Kanton Luzern spricht man von mehreren Gesuchen, will aber keine konkreten Zahlen nennen. In den Kantonen Zug und Uri ist je ein Gesuch hängig und im Kanton Schwyz zwei. Den Behörden von Ob- und Nidwalden liegen noch keine vor.

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Hans-Ulrich Rechsteiner (Rechi)
    Gestern hat sich ein Grossteil der Kommentarschreiber in 20min äusserst negativ über alte Väter ausgelassen. Ich denke es ist immernoch besser einen Vater zu haben (auch wenn dieser älter ist), als bei zwei Frauen (oder allenfalls zwei Männer) aufzuwachsen. Die Haltung von homosexuellen Pasren ist sehr arrogant und ehoistisch.
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