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Zentralschweiz Pfarrer Bucheli verteidigt Segnung und übt Selbstkritik

Die Segnung eines lesbischen Paares brachte dem Bürgler Pfarrer heftige Kritik ein vom Churer Bischof. Im Anschluss an die Messe sprach nun Wendelin Bucheli zu den rund 300 Kirchgängern von Bürglen. Es kam zu einer Standing Ovation für den Pfarrer.

Legende: Video «Öffentliches Bekenntnis» abspielen. Laufzeit 7:29 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 16.02.2015.

Nach der Messe zeigte Pfarrer Wendelin Bucheli ein Hirtenhemd. Die Urner hätten ihn gelehrt, was ein guter Hirte sei. «Als guter Hirte will ich alles daran setzen, dass diese Herde nicht verletzt wird», sagte Bucheli.

Zum Konflikt mit dem Bistum Chur sagte er: «Das oberste Ziel unserer Gespräche mit dem Bischof von Chur ist die Herstellung des Vertrauens, damit Versöhnung geschieht und wieder Ruhe und Frieden in unsere Pfarrei einkehrt.»

Er habe die Segnung der beiden Frauen mit «tiefem Frieden im Herzen» erteilt. Allerdings übte Wendelin Bucheli auch Selbstkritik: «Wenn ich jetzt all die Reaktionen in Betracht ziehe, muss ich erkennen, dass ich die Segnung nicht genügend diskret vorgenommen habe.»

Am Schluss der Ausführungen erhoben sich die rund 300 Kirchgängerinnen und Kirchgänger zu einer Standing Ovation.

Applaus für ihren Pfarrer: Das Bürgler Kirchenvolk nach der Ansprache von Wendelin Bucheli.
Legende: Applaus für ihren Pfarrer: Das Bürgler Kirchenvolk nach der Ansprache von Wendelin Bucheli. SRF

Auch zeigte sich der Pfarrer von seiner humorvollen Seite: Die anwesende Presse sei beste Werbung für den «schönen Kanton Uri» – und ausserdem suche man noch Sponsoren für eine neue Orgel. Humor, der offenbar von seiner Gemeinde geschätzt wird, wie zahlreiche Lacher und Jubelrufe zeigen.

Vom Bischof von Chur habe man noch nichts gehört, sagte der Vizepräsident des Kirchenrats Bürglen, Peter Vorwerk auf Anfrage. Er rechne damit, dass die Anfrage für ein klärendes Gespräch nächstens beantwortet werde.

Es müsste doch noch andere Lösungen geben als gleich die Aufforderung zur Demission.
Autor: Martin KoppGeneralvikar Bistum Chur für die Urkantone

Für Martin Kopp, Generalvikar des Bistums Chur in der Urschweiz, ist eine Lösung des Konfliktes schwierig. «Ich hätte es geschätzt, wenn Pfarrer Bucheli zuerst mit mir das Gespräch gesucht hätte», sagt Kopp im Gespräch mit dem «Regionaljournal Zentralschweiz».

Gleichzeitig übt er aber auch Kritik an der Führung im Bistum Chur. «Wendelin Bucheli hat nie die Gelegenheit gehabt, sich zum Vorfall zu äussern», so Kopp. Eine echte Abklärung seitens des Bistums habe nie stattgefunden. «Es müsste doch noch andere Lösungen geben als gleich die Aufforderung zur Demission.»

Legende: Video «Pfarrer Bucheli: «Du wirst im Moment erkennen, was zu tun ist»» abspielen. Laufzeit 5:24 Minuten.
Vom 16.02.2015.

41 Kommentare

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  • Kommentar von M.Hauri, Bern
    Wieder werden hier von Chur her mit einer Rechthaberei Menschen verletzt, statt dass sie unterstützt werden Vertrauen zu haben. Hat Bischof Huonder nichts gescheiteres zu tun, als in unserer Zeit, wo so viel Angst machendes in der Welt geschieht, in Europa tausende an Waffengewalt sterben und Millionen auf der Flucht sind, rechthaberisch die reine Lehre einzufordern und damit im Kern Minderheiten auszugrenzen? Ein warmes Christus Herz setzt andere Prioritäten, ob Bischof oder simpler Gläubiger.
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  • Kommentar von A. Noti, Bern
    Es wird niemand gezwungen in der Kath Kirche mitzumachen. Mitmachen geht nur mit den Spielregeln. Es gibt genügend andere Religionsgemeinschaften. Darüber hinaus gehören die meisten Kritiker nicht der Kath Kirche an. Einige Leute hier hegen blinden Hass gegenüber der Religion. Null Respekt oder Toleranz. Mich verwunderts nicht, was in Paris vorgefallen ist. Ich würde niemals behaupten, dass religiöse oder nicht religiöse Menschen gebildeter sind oder nicht.
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    1. Antwort von Alex Vorburger, Zürich
      Eine Kirche, die aufgrund ihrer Interpretation von Jahrhunderten später schriftlich festgehaltenen Überlieferungen nichts Verbindlicheres sagen kann als "Das ist halt nun mal unser Standpunkt, niemand muss ihn teilen", hat meines Erachtens ihre moralische Vorbildfunktion verwirkt: Sie bedient sich diesbezüglich einer vergleichbar subjektiv beliebigen Selbst-Legitimation wie eines von seinem Produkt überzeugten Billigen Jakobs und begibt sich damit auf dessen Niveau.
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    2. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Haben Sie, Alex Vorburger ganz in meinem Sinne ausgedrückt. Jede, nicht reformfähige Religion/Kirche, genauso wie politisch/wirtschaftliche Ideologien (sind oft auch Dogmen) laufen sich über den Wandel der Zeit tot und sprichwörtlich mit hohem Blutzoll. Nur gegenseitige Toleranz und Wille, andersartiges zu respektieren, bringt uns Frieden. Unabdingbar dabei, es funktioniert nur auf Gegenseitigkeit. Gerade da hapert es. Brandheiss, der Islam. Man kann nicht Toleranz zu Intoleranz erwarten :-(
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  • Kommentar von W. Blatter, 9525
    Haas Huonder wer kann diese Arroganz im Bistum Chur noch topen
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