Zum Inhalt springen

Zentralschweiz Schindler zieht sich aus Japan zurück

Schindler hat in Japan in den letzten Jahren einiges an Geschirr zerschlagen. Jetzt verkauft das Unternehmen aus Ebikon sein dortiges Liftgeschäft an den US-Konkurrenten Otis.

Nahaufnahme von Füssen einer Person, die eine Rolltreppe verlässt.
Legende: Schindler verkaufte in den letzten Jahren in Japan keine neuen Anlagen mehr, sondern konzentrierte sich auf den Service. Keystone

Das Engagement von Schindler in Japan kam jüngst nicht wegen guter Geschäftszahlen in die Schlagzeilen. Vielmehr beschäftigt den Luzerner Konzern weiterhin ein tödlicher Unfall. Vor zehn Jahren war ein 16-Jähriger ums Leben gekommen. Der Junge wollte im zwölften Stock den Lift verlassen. Doch obwohl die Türen offen waren, bewegte sich der Lift weiter nach oben.

Japanische Kultur falsch eingeschätzt

Zwar wurde ein Schindler-Mitarbeiter im vergangenen Jahr in dieser Sache nach einem neunjährigen Verfahren freigesprochen. Doch die Staatsanwaltschaft akzeptierte dieses Urteil nicht. Nach dem Unfall stand Schindler in der japanischen Öffentlichkeit während Jahren in der Kritik.

Laut Journalist Jan Knüsel, der die japanische Kultur gut kennt, hat die Firma einen kapitalen Fehler begangen. «Sie hätte vor die Presse stehen und sich bei den Opfern öffentlich entschuldigen und sich auch verneigen müssen.» Das sei ein Ritual, wie es in Japan üblich sei. Man entschuldige sich in jeder Situation – «das ist nicht ein Schuldeingeständnis, sondern ein Ausdruck des Respekts».

Konstruktionsfehler konnten Schindler zwar nicht nachgewiesen werden. Doch das unterschiedliche Verständnis der Gepflogenheiten hatte Folgen: Die Liftgeschäfte in Japan brachen danach ein.

«Vermutlich war das Management damals schlecht beraten», glaubt Knüsel. Dieses habe den juristischen vor den moralischen Aspekt gestellt. «Schindler hat stets betont, den Lift zwar gebaut zu haben, aber für den Unterhalt nicht zuständig gewesen zu sein.» Eine andere Firma habe diese Aufgabe ein Jahr zuvor übernommen.

Aus dem Fehler gelernt – aber zu spät

Vor dreieinhalb Jahren geschah erneut ein Unfall in einem Schindler-Lift, diesmal in einem Hotel. Dabei war eine 60-jährige Angestellte gestorben. Schindler berief eine Pressekonferenz ein, bei der man sich bei den Hinterbliebenen entschuldigte. Doch da war es schon zu spät, glaubt der Japan-Kenner: «2006 wurde der Fehler von Schindler gemacht, und den konnte man 2012 nicht wiedergutmachen.»

Als Grund für den Verkauf des Japan-Geschäfts nennt Schindler den insgesamt geringen Marktanteil. Das Unternehmen führte in dem Land seit rund zehn Jahren nur noch Wartungen durch. Aus dem Verkauf von Neuanlagen hatte es sich nach dem Unfall zurückgezogen. Schindler bleibt vorerst in Japan vertreten, weil noch ein Rekursverfahren hängig ist. Lokale Arbeitsplätze sollen bei Otis erhalten bleiben.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Unfälle sind immer sehr kompetent und grosszügig zu behandeln - eine Firma die sich reinwaschen will hat keinen Platz bei den Abnehmern, schon gar nicht bei den Japanern, die da sehr verletzlich reagieren ohne Worte zu verlieren . Aber eben Holzköpfe bleiben Holzköpfe - ich weiss von was ich spreche . Vermutlich herrscht auch innerhalb bei Schindler kein gutes Klima, sonst würde es nicht derartige Fehler geben . Hochmut kommt immer vor dem Fall !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen