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Legende: Audio «Ich hatte die Führung, die Verantwortung. Aber ich habe mich nie als Chef gefühlt.» abspielen. Laufzeit 06:35 Minuten.
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 15.02.2019.
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Schwyzer Milchhuus Nach 30 Jahren krempelt er die Hemdsärmel wieder runter

Ende Monat beendet Erich Reichmuth eine 120-jährige Familiengeschichte. Er verlässt das Milchhuus, das er lange leitete.

Käsereien hatten in den letzten 30 Jahren einen schweren Stand in der Schweiz – viele gaben auf, mussten schliessen. Heute verarbeiten noch rund 600 Käsereien und 90 Molkereien die Schweizer Milch.

In all den Jahren hat sich Erich Reichmuth mit dem Schwyzer Milchhuus erfolgreich gegen diese Entwicklung gewehrt. Er, der 1988 den Familienbetrieb von seinem Vater übernommen hatte. Damals mit vier Mitarbeitern, unterdessen beschäftigt das Milchhuus 70 Personen. Die Menge der verarbeiteten Milch stieg von einer auf 25 Millionen Liter pro Jahr.

Doch jetzt ist genug. Erich Reichmuth hört auf. Ende Februar verabschiedet er sich aus dem Geschäft. Damit geht zwar eine 120-jährige Familientradition zu Ende, doch im Milchhuus wird weiterhin Milch verarbeitet. Denn Erich Reichmuth hat vorgesorgt und ist bereits 2010 eine Zusammenarbeit mit der Migros eingegangen. Diese hat unterdessen die Mehrheit am Milchhuus übernommen.

Ich wollte eigentlich nicht Käser werden.

Man kann sich den grossen, stämmigen Erich Reichmuth gut vorstellen, wie er mit der weissen Schürze und der Haube die schweren Käselaibe hievt. Doch halt! Das habe er schon länger nicht mehr gemacht, sagt er mit seinem ansteckenden Lachen. In den letzten Jahren sei er mehr unterwegs gewesen, draussen bei den Kunden – oder im Büro in Schwyz.

Erich Reichmuth vor dem Schwyzer Milchhuus.
Legende: Erich Reichmuth lernte ursprünglich Käser und leitete das Milchhuus während über 30 Jahren - dabei hielt er immer den Kontakt zu den Mitarbeitern. milchhuus.ch

Erich Reichmuth ist in der heutigen Zentrale des Schwyzer Milchhuus' aufgewachsen. Als Sohn eines Käsers. Dass er überhaupt jemals den Betrieb von seinem Vater übernehmen würde, sei ursprünglich nicht geplant gewesen. «Ich wollte eigentlich nicht Käser werden, interessierte mich für andere Dinge, eher für technische Berufe. Doch leider hatte ich bei der Lehrstellensuche immer Pech. Also ging ich zu meinem Vater und sagte: Ich will nun doch Käser werden. Daraufhin hat er alles organisiert und die Sache war erledigt.»

Ich war nie ein sehr guter Käser.

So fing Erich Reichmuth als Lehrling im Welschland an, ging später nach Küssnacht und schliesslich zurück in den Familienbetrieb. Mit der Zeit sei auch die Freude am Beruf gekommen – wobei er sich aber nie als sehr guter Käser gesehen habe. «Ich bin eher einer, der neue Ideen umsetzen will. Als Käser braucht man aber viel Geduld.»

Nach seiner Lehre sei es auf der Hand gelegen, dass er die Käserei, das Schwyzer Milchhuus, in vierter Generation betreiben würde. Aber genau als er 1988 die Käserei übernahm, realisierte Reichmuth, dass die Firma in dieser Form kaum überleben kann. Erst recht, als ein grosser Kunde ausstieg.

Plastikflaschen brachten Erfolg

So musste er nach neuen Ideen suchen, um seine Milch weiterhin absetzen zu können. Als einer der ersten Schweizer Unternehmer verkaufte Reichmuth Milch in Plastikflaschen, mit einem Depotsystem. «Das war ein grosser Erfolg und brachte den ersten Schub fürs Unternehmen», blickt Reichmuth heute zurück.

Eine weitere Krise kam 2005, als viele Ladenketten übernommen wurden und er erneut Kunden verlor. «Ich hatte Angestellte, viel Milch, aber keinen Absatz mehr», sagt Erich Reichmuth. So habe er den Schritt nach Deutschland gewagt. Heute beliefert er über 600 Kunden in Deutschland und macht einen Viertel des Umsatzes im Ausland.

Das Milchhuus ist unser Kind und wir werden immer schauen, wie es ihm geht.

Da seine Kinder aber nicht in sein Unternehmen einsteigen wollten, habe er eine Lösung mit der Migros gesucht. Er sei überzeugt, dass dies eine gute Lösung sei und das Milchhuus weiter wachsen werde. «Ich und meine Frau ziehen uns aber voll zurück aus dem Geschäft», sagt Erich Reichmuth. Wobei er schon beobachten werde, wie sich die Firma entwickle. «Aber wir halten uns raus.»

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