Zum Inhalt springen
Inhalt

Sich trennen, aber richtig «Kinder sind häufig pragmatischer als ihre Eltern»

Trennungen sind schwierig – vor allem, wenn ein Paar Kinder hat. Aber sie können gelingen, sagt der Luzerner Familien-Therapeut Daniel Niederberger. Wie das geht, beschreibt er nun in einem Buch.

Legende: Audio Daniel Niederberger: «Eine Trennung kann für Kinder auch gut sein» abspielen. Laufzeit 06:36 Minuten.
06:36 min, aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 02.11.2018.

Trennt sich ein Paar, sind heftige Turbulenzen meist programmiert. Beide Teile müssen sich in einer neuen Lebenssituation zurechtfinden, sie sind absorbiert von eigenen Gefühlen und Enttäuschungen. Noch komplizierter wird es, wenn da noch Kinder sind – häufig ist es für Paare in einer Trennung schwierig, ihnen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Wie also bekommt man eine Trennung hin, ohne die Bedürfnisse der Kinder aus den Augen zu verlieren?

Erfahrungsschatz aus 25 Jahren Familien-Therapie

Zu dieser Frage hat der Luzerner Familien-Therapeut Daniel Niederberger nun ein Buch geschrieben: «Hin zu einer kinderorientierten Trennung» heisst es. Niederberger kann dabei auf seine 25-jährige Erfahrung in der Jugend- und Familien-Beratung zurückgreifen. Und für ihn ist klar: Eine Trennung der Eltern ist für ein Kind nicht in jedem Fall schlecht: «Wenn Kinder über lange Zeit in einem Klima von Spannung leben müssen und dabei zunehmend auch in Loyalitäts-Konflikte geraten, dann ist eine Trennung für Kinder sogar gut», sagt er.

Für die Eltern zerbricht eine Familie. Für die Kinder verändert sich die Familie einfach.
Autor: Daniel NiederbergerFamilien-Therapeut und Buchautor

Ohnehin nähmen Kinder eine Trennung ganz anders wahr als ihre Eltern. «Für die Eltern zerbricht eine Familie, es zerbricht ein Lebensentwurf – für die Kinder ist das anders», sagt der Familien-Therapeut. «Für sie verändert sich die Familie einfach. Sie haben dann die Mutter hier und den Vater dort, aber die Familie ist immer noch da.» Erwachsene machten häufig den Fehler, dass sie viel von ihren eigenen Gefühlen in das Denken der Kinder hineininterpretierten. «Dabei sind da Kinder häufig viel pragmatischer.»

Trennungen können auch gelingen

Wichtig sei es aber, Kinder nicht zur Partei im Konflikt zwischen den Eltern zu machen. Und wichtig sei es auch, nach einer Trennung stets Bilanz zu ziehen – die Kinder werden älter, damit verändern sich ihre Bedürfnisse.

Daniel Niederberger will getrennten Eltern mit seinem Buch einen Leitfaden bieten, der sie auf Themen und Aspekte aufmerksam macht, die im Zusammenhang mit ihren Kindern wichtig sein könnten. Er erhoffe sich, dass damit einige Kinder besser durch die Trennung ihrer Eltern kämen.

Denn so schmerzlich Trennungen seien: Sie könnten auch gelingen, sagt Daniel Niederberger. «Wenn ein Kind eine Feier zum Lehr- oder Studien-Abschluss hat und beide Eltern entspannt daran teilnehmen können – dann ist es gut herausgekommen.»

Umschlag des Buchs «Hin zu einer kinderorientierten Trennung».
Legende: Der Umschlag des Buchs von Daniel Niederberger - auch die Zeichnungen stammen von ihm. zvg / Daniel Niederberger

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.