«Unser Opern-Projekt ist ein Hochseilakt»

Ein depressiver Literaturdozent wird entlassen, hat einen Herzanfall und sucht Heilung in einer dubiosen Stollenklinik im Gotthardmassiv. Das ist die Handlung des Romans «Die künstliche Mutter» von Hermann Burger. Für das Lucerne Festival hat Michel Roth aus diesem Stoff eine Oper komponiert.

Michel Roth ist Hochschuldozent in Basel - früher arbeitete er an der Hochschule Luzern Musik. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Michel Roth ist Hochschuldozent in Basel - früher arbeitete er an der Hochschule Luzern Musik. SRF/Christian Oechslin

Die Opernfassung des Romans bringe alle Beteiligten an Grenzen, sagt Michel Roth: «Unser Opern-Projekt ist ein Hochseilakt.» Das erkenne man beispielsweise an der Rollenaufteilung. Der Tenor spielt gleichzeitig auch Klavier oder der Orchesterleiter hat eine Sprechrolle während er dirigiert.

Die Geschichte in Roman Burgers Roman lebt insbesondere von der einzigartigen Sprache.«Der Erzähler ist im Roman manchmal extrem sprachvirtuos, an anderen Stellen scheitert das Erzählen komplett», erklärt Michel Roth. Diesen Rhythmus habe er in die Musik integrieren wollen.

Der Autor Hermann Burger schrieb seinen Roman in den frühen 1980er-Jahren – im Zeitraum der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels. Dass nun die Oper exakt im Jahr aufgeführt wird, in welchem der Gotthard-Basistunnel eröffnet wird, sei kein Zufall, sagt Michel Roth.

Widersprüche beim Mythos Gotthard

Mit diesem Werk könne man gut aufzeigen, welche Widersprüche sich zeigen bei der Mystifizierung des Gotthards. «Einerseits wird er als grosses Symbol gefeiert und überhöht, andererseits wird er eigentlich durchlöchert und so nichtig gemacht.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr