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Einblicke in den Fernunterricht im Kinderzimmer
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 01.04.2020.
abspielen. Laufzeit 07:29 Minuten.
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Unterricht auf Distanz So schlagen sich Kinder und Lehrpersonen im «Fernunterricht»

Seit gut zwei Wochen ist in den Schulen Fernunterricht angesagt. Wie läuft das und kommen Kinder und Lehrpersonen klar?

Wie es momentan in der Schule läuft, erlebe ich hautnah jeden Tag zu Hause. So auch heute Morgen: Die Uhr zeigt Viertel vor acht. An der Kantonsschule Baldegg beginnt Unterricht. Natürlich nicht in den Unterrichtsräumen in Baldegg, sondern zum Beispiel im Zimmer von Rahel. Sie ist 13 und besucht die zweite Klasse der Kantonsschule.

Gerade startet sie ihren Computer, weil auf dem Programm «Windows Teams» ist Fernunterricht angesagt. Das Fach: Deutsch. Das Thema: Partikel. Ein Dossier liegt bereit zur Weiterarbeit. Rahel bereitet alles vor – und schon sieht sie ihre Kolleginnen und Kollegen sowie Deutschlehrer Silvan Keller auf dem Bildschirm.

Blick auf einen Laptop-Bildschirm während des Fernunterrichts.
Legende: Deutschlehrer Silvan Keller erteilt Aufträge. SRF / Sämi Studer

Die Lektion beginnt. Die Kinder üben gemeinsam. Wer spricht, erscheint jeweils auf dem Bildschirm. Diese Art des Unterrichts sei zwar «irgendwie komisch», doch gleichzeitig keine «krasse Umstellung», meint Rahel.

Sie fügt an: «Klar könnten wir's hier theoretisch gemütlicher nehmen als im normalen Schulunterricht. Doch wenn einen der Lehrer plötzlich aufruft, ist's blöd, wenn man nicht bei der Sache ist.»

Eine Schüler in beim Fernunterricht.
Legende: Rahel im Deutschunterricht. SRF / Sämi Studer

Die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Baldegg erhalten also heute im Deutschunterricht klare Anweisungen und Übungen. Das ist allerdings nicht immer und in allen Fächern so: Während des Turnunterrichts beispielsweise müssen alle Schüler eine Stunde lang joggen gehen.

Alles ist auch bei Simone nicht starr festgelegt. Sie besucht die vierte Primarklasse und sitzt gerade im Zimmer nebenan. «Ich bekomme einfach Aufträge, die ich bis Ende Woche erledigt haben muss. Ich kann also selber einteilen, wie wir das im normalen Schulunterricht auch ab und zu machen», sagt Simone.

Fernunterricht ist irgendwie komisch, aber trotzdem keine krasse Umstellung.
Autor: RahelKantonsschülerin in Baldegg (LU)

Genau gleich arbeitet Livia, welche die 1. Sekundarklasse besucht. Doch sie kann heute «chillen». Denn sie hat bereits alles für die aktuelle Woche erledigt. Trotzdem findet sie die aktuelle Situation nicht so toll. Livia: «Ich find's cooler in der Schule. Dort kann ich besser Fragen stellen und auch Freunde treffen.»

Ein Primarschüler beim Fernunterricht.
Legende: Drittklässler Marius beim Unterricht zuhause. SRF / Mirjam Breu

Wie läuft das in anderen Familien? Ich frage bei anderen Familien nach. Und höre: Auch bei ihnen ist am Morgen die Motivation, Aufträge zu erledigen, nicht immer gross.

Beispielsweise bei Marius, der die dritte Primarschulklasse besucht: «Ich würde natürlich viel lieber eine Stunde länger im Bett liegen oder mit Kollegen abmachen.» Denn seine Freunde vermisse er schon sehr, verrät Marius.

Der direkte Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern fehlt mir.
Autor: Andrea BieriPrimarlehrerin in Hochdorf

An die neue Situation mussten und müssen sich auch die Lehrpersonen gewöhnen. Es sei nicht der Beruf, den sie eigentlich so gerne möge, sagt Andrea Bieri. Sie unterrichtet in Hochdorf eine zweite Primarklasse: «Ich habe im Moment einen Bürojob – alles ohne Kinder. Der direkte Kontakt mit ihnen fehlt mir.»

In der aktuellen Situation können Lehrpersonen auf unterschiedliche Hilfsmittel zurückgreifen. Beispielsweise auf die Internetseite «lernentrotzcorona.ch», die von der Pädagogischen Hochschule Schwyz lanciert wurde. Beat Döbeli, dort Leiter des Instituts für Medien und Schule, sagt: «Ursprünglich fing alles als Unterseite unserer bestehenden Seite an. Doch innerhalb von drei Tagen merkten wir, dass das nicht reichen könnte. Also riefen wir die eigenständige Seite ins Leben.» Bereits in den ersten zwei Wochen verzeichnete sie Seite eine Viertelmillion Zugriffe von Lehrpersonen, die Hilfe suchten.

Auf lernentrotzcorona.ch finden Lehrpersonen unter anderem didaktische Tipps, Hinweise zu Software und weiterführende Links. Unterdessen arbeiten verschiedene Pädagogische Hochschulen an der Weiterentwicklung der Seite mit. Zudem gibt es jetzt auch eine gleichnamige Seite in Österreich.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr; fiss

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