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«Hier wurde ich festgenommen», sagt Heidi Joos.
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 03.06.2020.
abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
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Verhältnismässig oder nicht? Festnahme einer alt Kantonsrätin wirft Fragen auf

Politisch aktiv - in den Achtzigerjahren sowohl Mitglied des Luzerner Stadt- als auch des Kantonsparlaments für die linke Partei POCH - das ist Heidi Joos. Heute ist sie 65 Jahren alt, noch immer engagiert. Sie war es, die am Pfingstsamstag von der Polizei im Rahmen einer unbewilligten Demonstration gegen die Corona-Massnahmen des Bundes festgenommen worden war, weil sie sich nicht vom Luzerner Bahnhofplatz hatte wegweisen lassen wollen.

«Ich lebe schon lange in dieser Stadt und habe so etwas noch nie erlebt. Der Platz war fast leer. Die Menschen standen viel weiter auseinander als zwei Meter», meint Heidi Joos. Sie sei für ihre Freiheitsrechte eingestanden und habe sich deshalb geweigert, den Platz zu verlassen.

Handgemenge mit Folgen

Bei der Festnahme kam es offenbar zu einem Handgemenge, sagt Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft: «Die Untersuchung gegen sie läuft. Es geht um Gewalt oder Drohung gegen Behörden oder Beamte und Hinderung einer Amtshandlung, weil sie sich in einer Polizeikontrolle nicht kooperativ verhalten hat. Ihr wird auch vorgeworfen, eine Polizistin gebissen zu haben.»

Dies bestreitet Heidi Joos nicht. «Irgendwie sind wir aneinander geraten. Ich habe ein blaues Auge, sie wohl auch einen Kratzer oder einen roten Fleck irgendwo. Aber - Entschuldigung! Diese Dame hat mich einfach rabiat behandelt.»

Joos überlegt sich rechtliche Schritte

Was nachher geschah, bezeichnet Heidi Joos als unverhältnismässig. Sie musste die Nacht in einer Zelle verbringen und behauptet, dass sie sich nirgends die Hände waschen konnte und nicht auf ihre Rechte aufmerksam gemacht wurde. Die Nacht in der Zelle bestätigt die Luzerner Staatsanwaltschaft, zu den anderen Vorwürfen sagt sie nichts, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

Die Luzerner Polizei selbst schweigt. Auf die Frage nach der Verhältnismässigkeit dieser Massnahme sagt Christian Bertschi, Sprecher der Polizei: «Es handelt sich um ein laufendes Verfahren. Wir können deshalb keine weiteren Auskünfte dazu erteilen.» Heidi Joos überlegt sich, selber rechtlich gegen die Polizei vorzugehen.

Regionaljournal Zentralschweiz, 03.06.2020, 17:30 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Abbas Schumacher  (Glaibasler)
    Frau Heidi Joos, sie gingen an eine unbewilligte Demo? Sie reklamierten sich und wehrten sich bei der Verhaftung. Als Altkantonalrätin sollte man doch wissen, was gestattet ist und was nicht? Sie sind sie aus dem linken Lager, okay die mag ich nicht so, deswegen hält sich mein Bedauern auch sehr in Grenzen, was ihre ach so aufgezählten Wehwechen ihnen bescherten! Wissen sie was noch schlimmer ist, Wochen später weiss keiner mehr über was sie da demonstriert haben. Oh weh aber das tut dann weh!
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  • Kommentar von David Brunner  (dbw)
    Den Anweisungen der Polizei ist Folge zu leisten, auch wenn eine Fehleinschätzung oder gar ein widerrechtlicher Auftrag vorliegt. Rechtmässigkeit und Verhältnismässigkeit scheinen hier von Vornherein nicht gegeben. Das hat wahrlich nichts mit Schillers Mythos von Tell gegen Gessler und Freiheit, Demokratie und persönlicher Selbstbestimmung zu tun, eher mit Polizeistaat und Nachäffen von Regimes à la China, Türkei usw., denen man bis vor kurzem systematische Menschenrechtsverletzungen vorwarf.
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  • Kommentar von Andre Baumann  (AnBa)
    Und solche Leute hatten wir in der Regierung .....
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    1. Antwort von Roli Zimmermann  (Roli Zimmermann)
      Im Parlament - ein kleiner, aber feiner Unterschied...
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    2. Antwort von David Brunner  (dbw)
      An Andre Baumann, es gehört zur Stärke von demokratisch gebildeten Regierungen, dass auch Leute hineingewählt werden, die abweichende Sichten vertreten. Heidi Joos kenne ich nicht, tut nichts zur Causa Corona.
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