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Viele Waldbesitzer bleiben auf ihrem Holz sitzen
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 12.06.2020.
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Waldnutzung im Kanton Luzern Zu heiss, zu trocken, zu viele Leute – jetzt reagiert die Politik

Winterstürme, Trockenheit, der Borkenkäfer und die vielen Erholungssuchenden zu Coronazeiten setzen dem Wald zu.

Die Winterstürme und der trockene Frühling setzen dem Wald im Kanton Luzern weiter zu. Erschwerend kommt dazu, dass viele Wälder betroffen sind, die bereits durch den Sturm Burglind im Januar 2018, die folgende Trockenheit sowie durch weitere Wetterextreme im 2019 geschwächt worden sind. In der Folge haben sich Borkenkäfer stark vermehrt und bringen auch gesunde Nadelbäume zum Absterben. Hauptbetroffen ist die Fichte. Die anhaltende Trockenheit führt dazu, dass an exponierten Stellen auch Buchen und Weisstannen verdorren.

Viel Holz – aber die Preise sind im Keller

Die Räumung der Wälder sei aufwändig und wegen des tiefen Holzpreises in vielen Fällen nicht kostendeckend, heisst es in einer Mitteilung der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern. Komme dazu, dass wegen der Corona-Krise viele Verarbeitungsbetriebe und Baustellen in angrenzenden Kantonen sowie im benachbarten Ausland geschlossen waren; dies habe den Holzabsatz zusätzlich eingeschränkt.

Somit werde vermehrt stehendes oder liegendes Totholz im Wald verbleiben. Für den Wald als Ökosystem sei dies nicht nachteilig, die Waldeigentümerschaft dagegen sei von finanziellen Einbussen betroffen.

Waldschäden Güggiföhn im Gebiet Marbach

Waldschäden Güggiföhn im Gebiet Marbach
Legende:zvg/Kanton Luzern

Am 15. November 2019 haben Ausläufer eines Föhnsturms hauptsächlich in der Gemeinde Escholzmatt-Marbach, aber auch in Gebieten des Waldemmentals in der Gemeinde Flühli grosse Waldschäden verursacht. Dem Sturm fielen rund 30’000 Kubikmeter Holz zum Opfer, das entspricht 20'000 Bäumen. 90 Prozent der Schäden betreffen Schutzwald.

Damit am verbleibenden Schutzwald die Schutzfunktion sichergestellt werden kann und Folgeschäden vermieden werden können, sind die Arbeiten nach der Schneeschmelze Ende April 2020 von vier spezialisierten Forstunternehmen in Angriff genommen worden.

Den Markt nicht zusätzlich belasten

Der Kanton Luzern startet ein Projekt, um das anfallende Holz im eigenen Wald anstelle von Rundholz in geschnittener Form als Lamellen bereitzustellen. Im modernen Holzbau werden Lamellen in Standardgrössen zu verleimten Bauholzelementen gefertigt. In geschnittener Form kann das Holz werterhaltend und kostengünstig gelagert werden.

Der Kanton Luzern plant, das Holz für kantonseigene Bauten zu verwenden. Das Ziel dieser Neuerung sei, nicht noch zusätzliches Holz auf den gesättigten Markt zu bringen.

Der Kanton Luzern setzt die öffentlichen Mittel von Bund und Kanton prioritär für den Schutzwald und die Wiederbewaldung der Schadenflächen ein. In vielen Fällen wird das Holz im Bestand entrindet und liegen gelassen. Ziel dieser Massnahmen ist es, dem Borkenkäfer das Brutmaterial zu entziehen und so einer starken Vermehrung vorzubeugen.

Damit die momentan grosse Arbeitslast bewältigt werden kann, hat der Kanton Luzern 1.5 Millionen Franken innerhalb der bestehenden Kredite umgelagert. Ausserdem sei der Betrag seitens Bund und Kanton Luzern um insgesamt 3.5 Millionen Franken befristet zur Schadensbewältigung aufgestockt worden.

Ausserdem setzen sich Politikerinnen und Politiker des Luzerner Kantonsparlaments dafür ein, dass Waldbesitzer und Forstbetriebe vorübergehend Unterstützung erhalten. Zu diesem Zweck wurden drei Vorstösse eingereicht, unter anderem mit der Forderung, der Regierungsrat solle Beiträge an die Forstbetriebe für die Pflege des Jungwaldes oder für Biodiversitätsprojekte befristet erhöhen.

Klimawandel hat Auswirkungen auf Baumarten

Das rasche Tempo des Klimawandels mit wärmeren Temperaturen und längeren Trockenzeiten im Sommer sowie Stürmen werden den Luzerner Wald weiterhin strapazieren. Wo möglich wird der Wald natürlich verjüngt. Es biete sich die Chance für stabile Mischwälder mit trockenheits- und hitzetoleranteren Laub- und Nadelbäumen, heisst es von der Fachstelle weiter.

An Orten, wo eine Verjüngung durch natürliche Ansamung nicht möglich sei, unterstützen der Kanton Luzern und der Bund über Förderprogramme die Pflanzung von standortgerechten, dem künftigen Klima angepasste Baumarten. Dabei können auch seltene Baumarten wie Eichen eingesetzt werden.

Regionaljournal Zentralschweiz, 12.06.2020; 12:03 Uhr;

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