Weiterhin zwei Fremdsprachen an Zentralschweizer Schulen

Die Bildungsdirektorenkonferenz hat die Fremdsprachen an den Schulen evaluiert und erste Schlüsse daraus gezogen. Sie stellt fest, dass gegenüber den erfreulichen Resultaten im Englisch der Lernerfolg im Französisch klar unbefriedigend ist. Trotzdem soll das Frühfranzösisch bleiben.

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Bildlegende: Schweizer Schülerinnen und Schüler sind im Französisch deutlich schlechter als im Englisch. Keystone

Die Ergebnisse einer Studie, die die Zentralschweizer Bildungsdirektoren in Auftrag gegeben haben, lassen aufhorchen: Die meisten Schülerinnen und Schüler erreichen am Ende der 8. Klasse die Lernziele in Französisch nicht.

Vor allem mit Sprechen und Hören haben die Schüler grosse Mühe. Weniger als 10 Prozent erfüllten die Voraussetzungen. Etwas besser sieht es im Lesen und Schreiben aus. Hier erreichen bis zu 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Lernziele.

Im Englisch sind die Resultate weit erfreulicher Beim Lesen und Schreiben beispielsweise erfüllen 60 beziehungsweise 65 Prozent der Schüler die Anforderungen.

Ideen für Verbesserungen

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Die Studie der BKZ

Die Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz (BKZ) hatte die Französisch- und Englischkenntnisse von 3700 6. und 8. Klässlern (ohne Gymnasiasten) untersuchen lassen. Dies geschah mit Leistungstest. Die Ergebnisse seien repräsentativ. Anlass waren politische Vorstösse, die sich für nur noch eine Fremdsprache an der Primarschule stark machen.

Laut der Studie liegt dies klar an der Verfügbaren Unterrichtszeit. «Am Ende der Schulzeit stand für Englisch 40 Prozent mehr Zeit zur Verfügung als für Französisch», sagt Studienleiter Thomas Studer vom Freiburger Institut für Mehrsprachigkeit, der die Studie durchführte.

«Mehr Lektionen ergeben bessere Leistungen.» In der Zentralschweiz startet grundsätzlich in der 3. Klasse der Englisch-, in der 5. Klasse der Französischunterricht.

Die Leistungen im Französisch müssen verbessert werden. Zu diesem Schluss kommt die Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz BKZ. Eine Verbesserung erwartet man in Luzern und Nidwalden, wo mit dem Lehrplan 21 die Zahl der Französischlektionen erhöht wird. Eine Arbeitsgruppe ist nun daran, weitere Lösungsvorschläge zu präsentieren.

«Es könnten in Zukunft beispielsweise mehr Sprachaustausche stattfinden, die Ausbildung an der Pädagogischen Hochschulen wird angeschaut und auch die Weiterbildung der Lehrpersonen – zum Beispiel mit Sprachaufenthalten», sagt Beat Jörg, Präsident der BKZ gegenüber Radio SRF.

Trotz des unbefriedigenden Lernerfolgs im Fach Französisch: Am Sprachenmodell 3/5 könne grundsätzlich festgehalten werden. Auch in Zukunft sollen in der Primarschule zwei Fremdsprachen unterrichtet werden. «Die Studie zeigt nämlich auch, dass sich die Schüler nicht überfordert fühlen», so Jörg.

Unterschiede zwischen den Kantonen

Während im Fach Englisch die Zahl der Stunden in fünf der sechs Kantonen gleich gross ist (16 Jahreswochenlektionen), ist sie im Fach Französisch unterschiedlich. Sie schwankt hier zwischen 14 (ZG) und 9 (UR) Jahreswochenlektionen. Schlusslicht beim Französisch war Uri. Ein konzentrierter Lektioneneinsatz nur auf der Sekundarstufe, wie dies Uri kenne, bringe keinen Mehrwert.

Die Studie zeigte auch, dass sich die Schüler mit dem Fremdsprachenunterricht nicht überfordert fühlen. Die grosse Mehrheit der befragten Schülerinnen und Schüler habe keine Lernangst und fühle sich weder im Englisch noch im Französisch überfordert. Die Motivation, Französisch zu lernen, sei aber klar tiefer als Englisch zu lernen.

Die Leistungen in den Fremdsprachen hängen zudem vom Bildungsstand des Elternhauses und vom Geschlecht ab. Knaben haben in der Studie deutlich schlechter abgeschlossen als Mädchen. Der Migrationshintergrund allein hat gemäss der Studie keinen negativen Einfluss auf den Sprachenerwerb.