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Pascal Hollenstein, CH Media: «Alle privat finanzierten Medien sind im Moment stark gefordert.»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 01.05.2020.
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Zeitungen in der Corona-Krise Es raschelt nur noch leise im Blätterwald

Die Printmedien müssen wegen Corona sparen: Erstmals ist an einem 1. Mai die «Luzerner Zeitung» nicht erschienen.

Die Krise der Zeitungsbranche hat sich mit der Corona-Pandemie weiter verschärft – vor allem, weil seit dem Beginn des Lockdowns die Inserateeinnahmen stark zurückgegangen sind. Wie drastisch die Lage mittlerweile ist, zeigt sich in der Zentralschweiz deutlich am 1. Mai. Anders als in anderen Landesteilen ist der Tag der Arbeit hier kein Feiertag. Die Tageszeitungen sind an diesem Datum bislang stets erschienen. Anders in diesem Jahr: Erstmals gibt es keine Ausgabe der «Luzerner Zeitung» und ihrer Regionalausgaben.

«Wir müssen kurzfristig sparen können»

Es handelt sich dabei um eine Sparmassnahme, wie Pascal Hollenstein unumwunden zugibt. Hollenstein ist Leiter Publizistik bei CH Media, einem Medienverbund, dem die «Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben angehören. «Wir sind – wie alle privat finanzierten Medien – im Moment stark gefordert und müssen Massnahmen ergreifen, um kurzfristig sparen zu können», sagt er. Bereits am 1. April hat die «Luzerner Zeitung» auf Kurzarbeit umgestellt.

Druck- und Vertriebskosten fallen weg

Wenn die Ausgabe vom 1. Mai wegfalle, könne man zumindest einen Tag lang einen grossen Teil der Redaktion entlasten – abgesehen von der Online-Redaktion, die weiterhin Inhalte liefere, sagt Hollenstein. Auch die Print-Produktion könne einen Tag lang aussetzen, die Druckkosten entfielen, die Vertriebskosten ebenfalls. «Schlussendlich ergibt das dann doch einen erklecklichen Betrag, den man einspart.»

Die Abonnentinnen und Abonnenten sollen für ihr Geld aber nicht weniger erhalten, sagt Pascal Hollenstein. Ihr Abo werde um einen Tag verlängert, und das kostenpflichtige Online-Portal der Zeitung und ihrer Regionalausgaben werde auch am 1. Mai mit Inhalten bespielt.

Weniger Inserate auch bei kleinen Blättern

Auch kleinere Lokalzeitungen haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Der «Freie Schweizer» in Küssnacht am Rigi etwa erscheint nur noch einmal pro Woche, statt zweimal wie bis anhin. Das Problem auch hier: ein massiver Inserateeinbruch. «Wir haben einen Rückgang von rund 40 Prozent», sagt Co-Redaktionsleiter Fabian Duss. Und dabei sei dieses Bild noch geschönt: Die kantonalen Wahlen von Ende März hätten immerhin noch Wahlinserate gebracht, genau wie auch die Bezirkswahlen und der zweite Wahlgang für den Regierungsrat von Mitte Mai. «Ohne diese Wahlinserate sähe es noch düsterer aus», sagt Duss.

Für freie Mitarbeiter gibt es keine Arbeit mehr

Die Konsequenz davon: Auch die Redaktion des «Freien Schweizers» hat auf Kurzarbeit umgestellt. «Dabei müssen wir unserer journalistischen Arbeit doch gerade auch in einer Krise wie jetzt nachkommen», sagt Fabian Duss. Drastisch sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie für die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lokalzeitung: «Für sie, die vor allem die gesellschaftlichen Anlässe am Wochenende abdecken, haben wir seit mehreren Wochen so gut wie keine Arbeit mehr», sagt Co-Redaktionsleiter Duss.

Die Leute lesen die Zeitungen intensiver

Die Inserate brechen zwar weg, gleichzeitig steigt aber das Interesse der Leserinnen und Leser an lokalen Zeitungen. Man merke anhand der Online-Nutzung und der Rückmeldungen, dass die Leute mehr Zeit zum Zeitunglesen hätten, sagt etwa Guido Eberhard, Geschäftsleiter der «Surseer Woche AG». Dem gerecht zu werden, sei nicht einfach - auch seine Zeitung habe Kurzarbeit angemeldet.

Genau, wie auch der «Willisauer Bote». Am Erscheinungsrhythmus zweimal pro Woche werde aber festgehalten, sagt Chefredaktor Stefan Calivers. «Wir versuchen Vollgas zu geben und die Zeitung nicht dünner werden zu lassen», sagt er. «Damit wollen wir den Leuten signalisieren, dass wir nach wie vor da sind, gerade auch in einer Zeit, in der die Zeitung noch etwas genauer gelesen wird als sonst.»

Die Zentralschweizer Zeitungslandschaft durchlebt schwierige Zeiten. Existenzbedrohend sei die Krise bis jetzt noch nicht, heisst es beim «Freien Schweizer». Aber, sagt Co-Redaktionsleiter Fabian Duss: «Alles hängt davon ab, wie lange die Krise noch dauert. Und wie schnell und wie gut sich die Situation auf der Inserateseite dann erholen wird.»

Korrigendum: In einer ersten Version dieses Artikels haben wir fälschlicherweise anstelle des Bildes des publizistischen Leiters der NZZ-Regionalmedien bei CH Media, Pascal Hollenstein, ein Bild des Publizisten Markus Somm veröffentlicht. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.

Regionaljournal Zentralschweiz, 1. Mai 2020, 17:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    Als Kontrastmedium zu jeglichem Mainstream, als Geschäftsmodell, haben wir ja noch die Weltwoche. Sie versteht es immer noch jemanden zu finden, der dagegen ist. Sag mir was der Bundesrat vertritt und ich sage dir warum es nicht stimmt, nicht wahr oder gut sein kann.
  • Kommentar von Werner Blatter  (blatti)
    Viele hier sind sich einfach nicht Bewusst das es in 10 Jahren wegen der Digitalsierung und Globalisierung keine Printmedien geben wird da sind wir alle selber schuld! Bravo gut gemacht.... Ich persönlich kann ein Lied davon singen!
    1. Antwort von Remo Conoci  (Goggi)
      Finden Sie das nicht etwas zu kurz gegriffen? Vor 10 Jahren wurde das auch schon behauptet. Aber was ist mit den Digital-Übersättigten Menschen, die den ganzen Tag in einen PC schauen, die lieber mal wieder eine Zeitung in die Hand nehmen? Als Lokaljournalist hoffe ich natürlich, dass Sie unrecht behalten. Ich bin im Gegensatz dazu sogar überzeugt, dass es immer einen Markt für regionale Nachrichten geben wird, weil es in eben dieser Globalisierung immer weniger Platz hat für Lokalnachrichten.
    2. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Schuld daran sind vor allem die Medien selber, welche es verschlafen haben rechtzeitig auf die digitale Kanäle aufzuspringen. Während gut 20 Jarhen wurde alles kostenlos im Internet publiziert. Jetzt kommen Sie mit Paywalls und Abo+. Das ist zu spät. Es braucht für die Zeitungen etwas wie Streaming für die Musikindustrie. Erst mit Streaming wurde deren Niedergang gestoppt.
  • Kommentar von Dominik Meier  (echoderzeit)
    Ich bin immer wieder überrascht, dass sich Zeitungen mit den News von gestern und Inseraten mit Streuverlusten wie zu Gotthelfs Zeiten so lange halten können.