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27 Jahre am Kinderspital «Der technologische Fortschritt hat auch eine Kehrseite»

Nach 27 Jahren im Dienst des Kinderspitals wird Felix Sennhauser Ende Juli als Chefarzt pensioniert. Seit er am Kispi begonnen hat, hat sich in der Medizin, aber auch im Umgang mit den Kindern viel verändert.

Felix Sennhauser

Felix Sennhauser

Ärztlicher Direktor Kinderspital

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Felix Sennhauser kam vor 27 Jahren zum Kinderspital und wurde 1996 Ärztlicher Direktor des Universitäts-Kinderspitals Zürich. Bis Ende Juli 2018 leitet er das Spital als CEO Medizin. Sein Nachfolger als Ärztlicher Direktor und Professor für Pädiatrie wird Michael Grotzer. Sennhauser, der Mitte April 65 Jahre alt wurde, ist in St. Gallen aufgewachsen. Er ist verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Söhnen und Grossvater einer Enkelin.

SRF News: Sie haben jahrelang den Bau des neuen Kinderspitals vorangetrieben. Ausgerechnet im Jahr des Spatenstichs werden Sie pensioniert. Wie gehen Sie damit um?

Felix Sennhauser: Immerhin konnte ich den Spatenstich aktiv miterleben. Damit haben wir den «Point-of-no-return» erreicht. Das ist schön. Und die 20 Jahre Planung werden ja irgendwie im Neubau erkennbar sein. Zudem wird das Gebäude rollstuhlgängig sein – ich hoffe, ich kann bei der Eröffnung dabei sein (schmunzelt).

Mit dem Neubau können Sie das notorische Platzproblem lösen. Wie gravierend ist dieses Problem heute?

Die Platzprobleme waren eine riesige Belastung. Für die Angestellten, die Kinder, aber vor allem auch für die Angehörigen. Wir hatten keine Rückzugsmöglichkeiten. Weder für stillende Mütter, noch bei einer Sterbebegleitung. Wir waren eingezwängt in einem Korsett. Dieser Neubau hat deswegen eine Aufbruchstimmung ausgelöst.

Sie sind seit 1991 am Kinderspital tätig, seit 1996 als ärztlicher Direktor. Wie hat sich die Behandlung in dieser Zeit verändert?

Technologisch haben wir enorme Fortschritte erzielt. Wir können heute bereits bei Neugeborenen operativ abschliessend korrigieren. Ein weiterer Aspekt ist die ganze Bild-Diagnostik. Wir können heute im Gehirn, im Herz oder in der Lunge Abklärungen machen, die strahlenschonend sind, und die keine Narkose und keinen Herz-Katheter brauchen.

Gibt es auch eine Kehrseite?

Ja. Das Ganze hat aber auch eine Kehrseite: Heute überleben Kinder, die früher an ihren Behinderungen oder Krankheiten verstorben wären. Eltern und Geschwister sollen nicht alleine gelassen werden bei der Bewältigung dieser Situation. Der technologische Fortschritt führt also dazu, dass wir Ärzte schwierige Entscheidungen fällen müssen: Was können wir machen? Was macht Sinn? Und was nicht? Die Ethik hat also in den letzten Jahren einen höheren Stellenwert erhalten.

Das Gespräch führte Mirjam Fuchs.

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