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Abgestiegener EHC Kloten «Wir sind die Gejagten in dieser Liga, alle wollen uns schlagen»

Wie Sportchef Felix Hollenstein den EHC Kloten aus der Swiss League zurück in die National League bringen will.

Felix Hollenstein Porträt
Legende: Sportchef und Spielerlegende: Felix Hollenstein ist seit über 30 Jahren beim EHC Kloten. Keystone

Für Eishockey-Fans aus dem Zürcher Unterland brach diesen Frühling die Welt zusammen: Der EHC Kloten stieg ab in die Swiss League, nach 56 Jahren in der obersten Liga. Der neue Sportchef und langjährige Spieler Felix Hollenstein will den Traditionsclub aber möglichst bald zurück in der National League.

SRF: Sie haben diese Saison eine neue Rolle im Stadion, Sportchef statt Assistenztrainer. Haben Sie es bei den ersten Spielen geschafft, sich nicht einzumischen?

Felix Hollenstein: Das ist kein Problem für mich. In den über 30 Jahren beim EHC Kloten habe ich schon fast alle Facetten dieses Sports erlebt. Als Sportchef hüte ich mich, jetzt schon Einfluss zu nehmen. Es gibt sicher einmal eine Phase, in der ich etwas sage. Hoffentlich aber möglichst wenig.

Diesen Sommer standen Sie als Sportchef vor der Herausforderung, alle Kaderspieler neu verpflichten zu müssen. Wie gingen Sie da vor?

Die ersten Verträge waren bald nach dem Abstieg unterschrieben. Von unserem eigenen Nachwuchs haben immerhin sieben Stück gleich zugesagt. Dann stockte es etwas. Positiv war, dass Spieler anderer Clubs Interesse zeigten. Nur war es dort manchmal eine Frage des Budgets.

Sie mussten mit einem Drittel des früheren Budgets auskommen. Mit dem Geld konnten Sie also nicht mehr argumentieren. Wie haben Sie Topspieler dennoch zu überzeugen versucht?

Nun, man darf nicht vergessen, Kloten ist ein Traditionsverein in der Nati A gewesen, über Jahrzehnte hinweg war es der beste Ausbildungsclub...

Aber einen Spieler, der Karriere machen will, überzeugt man so nicht. Ihr eigener Sohn, Denis Hollenstein, wechselte schon vor dem Abstieg zum ZSC.

Ja, gut, das ist ein anderes Thema.

Ich habe so argumentiert: Ich will eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen um den Aufstieg möglichst bald wieder zu schaffen.

Da gab es doch ein paar Spieler, wie zum Beispiel Fabian Sutter oder Thibaut Monnet, die das eine super Sache fanden. Auch René Back, Steve Kellenberger und einige junge Spieler sagten schnell zu. Das half.

Jetzt haben Sie einen Mix aus Routiniers und jungen Talenten. Funktioniert der?

Teilweise, ja. Es ist schon auch noch schwierig. Der Goalie Bernhard Starkbaum ist ein absoluter Leader, Ryan MacMurchy ebenfalls. Solche Routiniers sind in diesem Mix extrem wichtig. Denn die Mannschaft muss sich zuerst finden, Automatismen fehlen noch. Aber wir sind auf einem guten Weg.

An was muss die Mannschaft denn noch feilen?

Ja, da gibt es schon noch ein paar Sachen (lacht). In der eigenen Zone konsequenter sein zum Beispiel, nicht so puck-orientiert sein.

Machen wir einen Ausblick. Sie sind jetzt in der Swiss League. Wie schnell wollen Sie den Aufstieg schaffen?«»

So schnell wie möglich (lacht).

Und wie?

Indem wir gewinnen, ganz einfach. Im Ernst:

Wir sind uns bewusst, wir sind die Gejagten in dieser Liga. Alle wollen Kloten schlagen. Das ist eine neue Situation, an die wir uns gewöhnen müssen.

Grundsätzlich wollen wir den Aufstieg schaffen, wenn es im ersten Jahr schon klappt, sagen wir nicht nein. Aber wir nehmen es, wie es kommt.

Der EHC Kloten hat ja jahrelang über seine finanziellen Verhältnisse hinausgelebt, im Jahr des Abstiegs gab es ein Millionendefizit. Sieht der Club den Abstieg auch als Übung in Demut?

Demut ist sicher wichtig. Die Millionenverluste hatten wir, ja. Vor allem aber hat es sportlich nicht mehr gereicht. Für mich ist das jedoch vorbei, ich schaue vorwärts. Wir haben jetzt einen neuen CEO, neue Trainer, einige neue Spieler. Jetzt gibt es einen Neuanfang. Auch die Fans stehen dabei hinter uns.

Präsident Hans-Ueli Lehmann hat angekündigt, dass er sich zurückziehen will. Was sehen Sie als Sportchef als die grössere Herausforderung für den EHC: Einen neuen Präsidenten zu finden, der in den Club investiert, oder den Aufstieg zu schaffen?

Ich will den Aufstieg schaffen. Das ist klar. Zum anderen Thema: Man redet und hört viel. Ich stehe in einem engen Kontakt zu unserem Präsidenten und will mich hier nicht äussern darüber, was er vorhat. Wir gehen jetzt in diese Saison, von Spiel zu Spiel, schauen was kommt - und am Ende gibt es sicher eine gute Lösung.

Das Gespräch führte Mirjam Fuchs.

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