Alles kommt zu seiner Zeit

Die reformierte Kirche will sich gesundschrumpfen. Die 174 Kirchgemeinden sollen zu 39 fusionieren. Dazu nimmt sich die Kirche nun mehr Zeit als geplant.

Blick auf die halbleeren Bänke der refomierten Kirche in Thalwil. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Immer älter, immer weniger. Der reformierten Kirche fehlt es an Gläubigen. Keystone

5000 Gläubige treten im Kanton Zürich jedes Jahr aus der reformierten Landeskirche aus. Damit bleiben nicht nur die Kirchenbänke leer, den Kirchgemeinden fehlt es auch an Geld.

Und dieser Mitgliederrückgang dürfte auch in Zukunft weitergehen. Das statistische Amt des Kantons Zürich kommt in einer Studie zum Schluss, dass die Zürcher Reformierten bis im Jahr 2040 über 20 Prozent ihrer Mitglieder verlieren wird.

Um darauf reagieren zu können, hat der Kirchenrat der reformierten Kirche bereits vor einigen Jahren das Projekt «KirchGemeindePlus» ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, die 174 Kirchgemeinden im Kanton Zürich zu 39 grösseren Gemeinden zusammenzuschliessen.

Der Segen fehlt

Diese Pläne des Kirchenrates kamen bei der Kirchensynode nicht gut an. Im Herbst 2015 hat das Kirchenparlament die Fusionsidee zurückgewiesen. Die Synode monierte, dass der Zeitplan zu ambitioniert sei und es bei den Plänen an Klarheit fehle.

Auf diese Kritik ist der Kirchenrat nun eingegangen. Neu schlägt der Kirchenrat deshalb ein gemächlicheres Tempo vor: Kirchenratspräsident Michel Müller: «Wir haben nun einen etappierten Zeitplan. Dieser berücksichtigt die unterschiedlichen Prozesse in den verschiedenen Gemeinden.»

Konkret lässt der Kirchenrat den Gemeinden fünf Jahre mehr Zeit. Die Fusionen sollen bis 2023 abgeschlossen sein und nicht wie bisher kommuniziert bereits bis 2018.

Kirche soll im Dorf bleiben

Das Ziel bleibt aber dasselbe: Es soll wenige grössere Kirchgemeinden geben. Diese Organisation würde es zulassen, dass sich Pfarrerinnen und Pfarrer spezialisieren, erklärt Kirchenrat Daniel Reuter: «Es muss nicht mehr jede Gemeinde Jugendarbeit, Bildungsarbeit, Frauenarbeit, Missionsarbeit und so weiter anbieten.»

Statt heute 174 reformierte Kirchgemeinden soll es künftig nur noch 34 geben. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Statt heute 174 reformierte Kirchgemeinden soll es künftig nur noch 34 geben. zvg

Trotz dieser Fusionspläne: Die Kirche soll weiterhin im Dorf bleiben, beruhigt Michel Müller: «Ich bin überzeugt, dass keine Kirchen geschlossen werden. Auch die Pfarrhäuser bleiben mit der Fusion erhalten. Aber der Pfarrer oder die Pfarrerin sind nicht nur für die einzelne Gemeinde zuständig, sondern für die ganze, grössere Kirchgemeinde.»

Nun berät als nächstes die Kirchensynode den neuen Zeitplan, die der Kirchenrat am Donnerstag präsentiert hat.