Alte Berufe - neu entdeckt: Die «Regionaljournal» Herbstserie

Ein Orgelbauer, der Klangfarben formt. Zwei Brüder, die Biberli backen und Biber-Model schnitzen oder die letzte Korsettière der Schweiz. Das Regionaljournal ist zwei Wochen lang zu Besuch bei Handwerkerinnen und Handwerkern, deren Berufe durch die Jahrhunderte bis heute überlebt haben.

Ein Bäcker, ein Wagner, ein Pfeiffenmacher, ein Orgelbauer und eine Korsettschneiderin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bei elf Handwerkerinnen und Handwerkern mit alten Berufen ist das «Regionaljournal» zu Gast. SRF

Weshalb lernt ein junger Mann als einziger der Schweiz heute noch, Ofenkacheln herzustellen? Was bringt einen jungen Historiker und einen Betriebswirtschafter dazu, unmittelbar nach dem Studium eine Biberli-Backstube zu gründen? Und was fasziniert den jungen Handwerker daran, Wagenräder zu besuchen?

Die Herbstserie des «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» besucht Werkstätten und Keller, Schneider-Ateliers und kleine Manufakturen und stellt Berufe vor, die es seit Jahrhunderten gibt, die heute aber kaum noch jemand ausübt.

DER PFEIFENMACHER: Seit über 35 Jahren fertigt Peter Fischer in seiner verstaubten Werkstadt in der Schaffhauser Altstadt exklusive Tabakpfeifen an. Weil jede seiner Pfeifen anders daherkommt, sind sie mehr als nur Utensilien zum Rauchen.

DER WAGNER: Thomas Koch ist 26 und damit der jüngste, selbständige Wagner der Schweiz. Seit gut einem Jahr hobelt, schleift und sägt er in den alten Werkstatträumen seines Grossvaters. Der Beruf Wagner ist noch längst nicht ausgestorben, ist der junge Mann aus Glattfelden überzeugt.

DIE BIBERLI-BÄCKER: In Wermatswil stellt die «Leibacher Biber-Manufaktur» süsse Biberli mit einem Schuss Zitrone her. Biberlibäcker Claudio Leibacher, der eigentlich Geschichte studiert hat, spricht von einem Traumberuf.

DIE KORSETTIÈRE: Früher liessen sich adlige Damen ins Korsett schnüren um ihre Taille aufs Vorteilhafteste zu betonen. Heute schneidert die Korsettmacherin Beata Sievi in ihrem Atelier in Winterthur Frauen von 17 bis 70 Korsetts auf den Leib. Es sind Frauen, die sich etwas Besonderes gönnen wollen.

DER HAFNER: Der Beruf des Industriekeramikers mit Fachrichtung Baukeramik geht auf den Beruf des Hafners zurück , der Kacheln herstellt. Doch als Bujar Bytyqi seine Lehrstelle antrat, wusste er weder, dass er einen so alten Beruf lernt, noch, dass er der einzige ist, der in der Schweiz diese Ausbildung wählte.

DER ORGELBAUER: Ferdinand Stemmer baut und restauriert in seiner Werkstatt in Zumikon Instrumente, die er danach in die halbe Welt verschifft. Zu Besuch bei einem Mann, der wortwörtlich alle Register ziehen kann.

DER ZINNGIESSER: An der Zürcher Fortunagasse, gleich neben dem Lindenhof, gründete Anton Rapold 1903 seine Zinngiesserei. Nun, vier Generationen später, führt Monika Rapold das Familiengeschäft. Die Zinngiesserei stellt über 500 Zinnprodukte her, und zwar wie vor über hundert Jahren von Hand.

DIE BUCHBINDERIN: Mit 33 Jahren ist Beatrice Wetli eine der jüngsten Buchbinderinnen der Schweiz. Vor vier Jahren hat sie ihre Werkstatt in der Zürcher Altstadt eröffnet. Täglich hat sie seither mit Büchern zu tun – obwohl sie selber gar nicht gerne liest.

DIE SCHNÜRMEISTER: Ob ein vier Meter hoher Marionetten-Dinosaurier, die Regenanlage oder einfach Beleuchtung und Vorhang. Was sich im Zürcher Opernhaus von oben auf Bühne bewegt, wird dirigiert von einem Schnürmeistern. Ein alter Beruf, für den man keine Ausbildung benötigt, aber sicher schwindelfrei sein muss.

DER SCHNAPSBRENNER: Schnapsbrennen ist bei Zimmerlis Familiensache: Für Hans Zimmerli war immer klar, dass er die Brennerei seines Vaters in Hallau übernimmt. Seit 26 Jahren führt er den Kleinbetrieb zusammen mit seiner Frau. Mit ihrem Mirabellenschnaps haben die Zimmerlis schon einige Preise eingeheimst.

DER FÄHRMANN: «Verzell doch das em Fährimaa», heisst es, wenn jemand etwas Unglaubliches erzählt. Hans Zürcher und seiner Frau, Fährleute in Ellikon am Rhein, werden auf der Überfahrt viele Geschichten erzählt. Lustige und traurige, manchmal sogar tragische. Für alle Fahrgäste haben die Fährleute ein offenes Ohr.