Alte Siegel, seltene Karten, kuriose Patente

In der Obhut des Zürcher Staatsarchivs liegen nicht nur Schriftstücke, die im Laufe der Zeit in Zürcher Amtsstuben verfasst wurden. Schon vor einiger Zeit hat das Archiv Klassenfotos online zugänglich gemacht. Nun hat es für weitere Bereiche der Sammlung thematische Schnellsuchen eingerichtet.

Ein Holzkasten mit den weissen und schwarzen Kugeln, eingeklebt Zettel mit der Anweisung zur Handhabung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Begnadigen oder nicht? Mit diesem Hilfsmittel entschied der Zürcher Kantonsrat bis 1869 über Leben und Tod. zvg staatsarchiv

Die Suche nach Klassenfotos war die erste thematische Suche, die das Zürcher Staatsarchiv eingerichtet hatte. «Dieses Angebot wurde sehr rege genutzt», sagt Martin Leonhard, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Staatsarchiv. Deshalb macht das Archiv nun weitere Bereiche seiner Sammlung mit thematischen Suchen einfacher zugänglich. Es sind dies Patentschriften, Objekte sowie Karten und Pläne.

Badekleid und Atomreaktor

Die Patentschriften belegen den Erfindergeist der Zürcherinnen und Zürcher. Über 50'000 solche Schriften werden vom Staatsarchiv aufbewahrt. Kurioses, wie ein 1894 von Hermann Brupbacher erfundenes «über Wasser haltendes Badekleid» für des Schwimmens unkundige Personen. Aber auch ernsthafte Erfindungen, wie ein Atomkernreaktor der Gebrüder Sulzer aus dem Jahr 1957.

Leben oder Tod?

Das älteste Stück in der Objekt-Sammlung des Staatsarchivs ist der Stempel des Zürcher Stadtsiegels von 1347. Dort findet sich auch das Ballotage-Set: Ein Kasten mit weissen und schwarzen Kugeln. Mit diesen Kugeln stimmte der Zürcher Kantonsrat bis 1869 über Begnadigungsgesuche von Menschen ab, die zum Tod verurteilt waren. Weiss stand für Leben, schwarz für Tod.

Die Plansammlung des Staatsarchivs besteht aus rund 25'000 Dokumenten aus den letzten 400 Jahren. Die Vielfalt ist gross: Sie reicht von historischen Landkarten des Kantons oder einzelner Gemeinden über Gewässer, Wald und Strassen-Plänen bis zu Projekt- und Bauplänen von einzelnen Gebäuden.

Weitere Suchen geplant

In diesen drei Sammlungen können alle Interessierten nun online stöbern und die Funde betrachten. «Wir wollen damit die Schwelle heruntersetzen, damit man einfacher an die Sachen herankommt», erklärt Martin Leonhard. Das Staatsarchiv will deshalb bald weitere Bereiche seiner Sammlung mit solchen thematischen Suchen zugänglich machen.