Arbeit statt Knast

7'500 Hafttage wurden im Jahr 2014 im Kanton Zürich nicht abgesessen, sondern abgearbeitet. Dies dank der Stiftung für Gefangenen- und Entlassenenfürsorge. In ihrem Arbeitsbetrieb können Menschen ihre Bussen abverdienen und Strafen bis 180 Tage abarbeiten.

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Arbeit statt Knast

4:19 min, aus Schweiz aktuell vom 23.12.2014

Christian N.* hatte die Wahl: Entweder er verbüsst seine Strafe vier Wochen lang im Gefängnis oder er arbeitet sie ab – 180 Stunden lang. Er wurde wegen Fahrens im angetrunkenen Zustand verurteilt. Jetzt nimmt er in einer Werkstatt auf dem Zürcher Kasernenareal Elektroschrott entgegen und recycelt diesen.

Auch Chris H.*, Türsteher in verschiedenen Lokalen an der Zürcher Langstrasse, arbeitet hier. Er wurde wegen Körperverletzung verurteilt. Drei Monate Gefängnis oder 396 Stunden gemeinnützige Arbeit waren seine Optionen. «Ich bin froh, dass ich hier meine Strafe abarbeiten kann», sagt Chris gegenüber «Schweiz aktuell». «Ich steh dazu, was ich gemacht habe und will es durch die Arbeit hier wieder gutmachen».

Für Menschen ohne Geld

Vor allem Männer um die Dreissig sind im Arbeitsbetrieb der ZSGE (Zürcher Stiftung für Gefangenen- und Entlassenenfürsorge) anzutreffen: Typischerweise sind es Männer mit einer Drogenkarriere, psychischen Problemen oder solche, die sich verbal schlecht ausdrücken können. Seine Strafe in gemeinnützige Arbeit umwandeln kann nur, wer zu wenig Geld hat, um eine Busse zu bezahlen.

Erfolg schwierig messbar

Im ersten Stock des Betriebes geht es ruhiger zu und her. Hier arbeiten «Klienten» der ZSGE ihre Strafen ab, indem sie kleine Papiertaschen falten - aus Fehldrucken von Schweizer Landkarten. Das Ziel sei, dass die Menschen, die hierher kommen, nachher keine Straftaten mehr begingen, sagt Edgar Rutishauser, Geschäftsführer der Stiftung. Ob die Rückfallgefahr jedoch kleiner ist bei Menschen, die ihre Strafe abarbeiten, bleibt unbeantwortet: «Der Erfolg ist schwierig, zu messen, da wir nicht wissen, wie ihr Leben weitergeht».

Tagesstrukturen für Sozialhilfeempfänger

Anja S.* wurde nicht straffällig, sie arbeitet freiwillig in der Werkstatt der ZSGE.

Die Zürcherin konsumierte jahrelang Heroin, nun nimmt sie seit eineinhalb Jahren an einem Methadonprogramm teil. Sie lebt von der Sozialhilfe, will nun aber den Schritt zurück in den ersten Arbeitsmarkt schaffen. «Ich will wieder auf die Beine kommen, und normal arbeiten. Ich habe mich nicht aufgeben», sagt sie gegenüber «Schweiz aktuell». Ihre Arbeit ist Teil eines Förderprogramms des Zürcher Sozialamts.

ZSGE-Geschäftsführer Edgar Rutishauser sagt, für die Menschen sei dieses Programm zwar niederschwellig aber sie biete den Menschen einen geregelten Tagesablauf und einen Rahmen, um neues Selbstbewusstsein zu erlangen.

Arbeit günstiger als Gefängnis

Die Stiftung finanziert sich vor allem durch Leistungsverträge mit der Justiz und dem Zürcher Sozialamt. Die öffentliche Hand spare dank der ZSGE auch Geld, sagt Ruthishauser, da gemeinnützige Arbeit günstiger sei als Haftstrafen.

* Alle Namen sind der Redaktion bekannt

(Schweiz Aktuell, 19 Uhr)