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Legende: Audio Sandro Vescoli arbeitet für jene Firma, die Asylbewerber im Kanton Zürich betreut. abspielen. Laufzeit 06:10 Minuten.
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 19.03.2019.
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Asylbetreuung nach Embrach «Es trat eine Sensibilisierung ein»

Im November 2015 stach eine Asylbewerberin in der Asylunterkunft Embrach mit einer Machete auf ihre Betreuerin ein und verletzte sie lebensgefährlich. Die Frau wurde in erster Instanz zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie legte Berufung ein, doch das Zürcher Obergericht hat die Strafe nun bestätigt. Parallel zum Strafverfahren machten auch die Betreuerinnen und Betreuer einen Prozess durch: Sie mussten sich mit den Risikofragen ihres Berufs auseinandersetzen. So auch Sandro Vescovi, operativer Leiter der privaten Firma ORS Services, welche im Auftrag des Kantons die fünf Zürcher Asylzentren betreut.

SRF: Sandro Vescovi, was ging Ihnen damals im November 2015 durch den Kopf, als sie von der Attacke in der Asylunterkunft Embrach hörten?

Sandro Vescovi: Im ersten Augenblick Fassungslosigkeit, Unverständnis und grosse Trauer darüber, dass so etwas möglich ist, dass so etwas geschehen kann. Denn der ganz grosse Teil der Bewohner, die wir betreuen dürfen, verhalten sich unauffällig bis kooperativ, und an so etwas denkt man nicht.

Und was hat der Fall Embrach im Team ausgelöst, in der gesamten Betreuungsorganisation im Kanton Zürich auch?

Ich glaube, es führte nach einem ersten Schock dazu, dass man sich als Gruppe noch besser zusammenfand. Es hat den Zusammenhalt gestärkt. Es trat eine Sensibilisierung ein. Wir wurden uns bewusst und müssen uns laufend bewusst sein, in welchem Feld wir uns bewegen, was für Menschen wir betreuen und was wir uns Tag für Tag aussetzen.

Sensiblilisierung ist das eine, aber haben Sie auch ihre Regeln geändert? Was haben Sie seit 2015 überhaupt geändert?

Die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeienden ist ein ganz zentraler Punkt. Für neueintretende Betreuer sind Starterkurse obligatorisch, welche die Themen Sicherheit, Konfliktmanagement und Brandschutz abdecken. Zentral ist auch, dass man sich an der Basis selbst, also in den Unterkünften, bewusst ist, wie wichtig eine proaktive Betreuung, also eine hohe Präsenz, ist.

Nahm man diese Betreuung denn früher weniger ernst?

Man nahm sie immer ernst. Aber nach solchen Ausnahmesituationen ist es normal, sich zu fragen: Was können wir tun, damit sich die Bewohner gut fühlen, damit wir uns gut fühlen, damit die Situation für alle von Wertschätzung geprägt ist. Das hat sich verändert.

Das Interview führte Michael Ganz.

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