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Aus für die Züspa Zürcher Traditionsmesse am Ende

Wegen mangelnden Interesses wird die fast 70-jährige Züspa abgeschafft. Vor zwei Monaten klang es noch ganz anders.

Ein Jahr vor ihrem 70. Geburtstag kommt für die Züspa das Aus: Die Veranstalterin Messe Schweiz stellt den Traditionsanlass ein. Grund: Die Besucherzahlen gingen in den vergangenen Jahren schleichend zurück, die Aussteller verkauften merklich weniger.

Gemüseraffeln ziehen nicht mehr

Die klassische Konsumgütermesse entspreche keinem Bedürfnis mehr, heisst es bei Messe Schweiz. Vor allem in urbanen Gebieten wie Zürich hätten es klassische Konsummessen heute schwer; Gemüseraffeln und Massagestühle seien keine Renner mehr. Entsprechend hätten Publikumszahlen und Verkäufe in den vergangenen Jahren abgenommen, und die Aussteller seien zunehmend unzufriedener geworden.

Im September herrschte noch Zuversicht. «Ich bin überzeugt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und persönliche Kontakte sucht. Findet man den richtigen Mix von Online und Offline, bin ich sicher, dass Messen genau jene Plattform sind, die den Besuchern und den Ausstellern genau dies bieten können», sagte damals Messeleiterin Karin Sonderegger zu Radio SRF.

Wir haben versucht, dem Produkt neues Leben einzuhauchen.
Autor: Christoph KamberStandortleiter Zürich, Messe Schweiz

Heute klingt es anders. «Natürlich waren wir zuversichtlich», meint Christoph Kamber, Standortleiter der Messe Zürich, auf Anfrage des Regionaljournals. «Uns wurden nun aber die Limiten aufgezeigt. Wir haben in den letzten Jahren viel an diesem Produkt herumgeschliffen und versucht, ihm neues Leben einzuhauchen. Aber in der Summe war der Trend rückläufig. Und wir sind nun zur Erkenntnis gekommen, dass es Zeit ist, ein neues Format zu lancieren.»

Neues Zürcher Format ab 2020

Die Züspa wird zwar beerdigt, doch an ihre Stelle soll etwas Neues treten. Spruchreif ist gemäss Kamber noch nichts. Geplant sei aber ein neues Angebot, das ein physisches Erlebnis mit digitalen Angeboten verbinde. Stattfinden soll es weiterhin in den Messehallen in Zürich-Oerlikon. Die erste Ausgabe ist für 2020 geplant. Klar ist schon jetzt: Es wird kein Anlass für alle sein wie die Züspa. Denn gut funktionieren gemäss Kamber nur noch Themen-Messen wie etwa Giardina, Swissbau oder Swiss Moto.

Aus auch für Lausanne und Basel

Auch an anderen urbanen Standorten haben Publikumsmessen keinen Erfolg mehr. Messe Schweiz wird deshalb auch die Mustermesse Basel nicht mehr durchführen. Die Muba wird 2019 zum letzten Mal ihre Tore öffnen. Einstellen will die Veranstalterin auch das Comptoir Lausanne. Das Comptoir ist noch älter als die Züspa: Es hat eine fast 100-jährige Tradition.

Das war die Züspa

Die «Zürcher Spezialitätenausstellung», kurz Züspa, wurde 1949 als Industrie-Leistungsschau ins Leben gerufen. Sie fand in den Messehallen in Zürich-Oerlikon statt, die auch nach ihr benannt sind. In den 50er und 60er Jahren wandelte sich die Züspa mehr und mehr zur Konsummesse. Für Generationen von Zürcherinnen und Zürchern gehörte ein Züspa-Besuch damals zu den zwingenden Herbst-Aktivitäten. Jährlich präsentierten sich hier rund 500 Aussteller aus allen Branchen, ob Haushalt, Mode oder Gesundheit. Regelmässig zeigte die Züspa auch eine Sonderschau, 2007 beispielsweise jene des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Eröffnet wurde die Messe meist von einer Bundesrätin oder einem Bundesrat.

Zwei andere Zürcher Messen nicht betroffen

Die beiden kleineren Publikumsmessen im Kanton Zürich, die Winti-Messe und die Zürcher-Oberland-Messe in Wetzikon, bleiben bestehen. Die Zürcher-Oberland-Messe lockte dieses Jahr sogar mehr Besucher an als 2017. Veranstalter Andreas Künzli erklärt es mit der anderen Ambiance: Mit Zelten und Hütten hätten seine Messen mehr den Charakter einer Festwirtschaft als die Züspa in ihren Messehallen. Das Publikum schätze dies offenbar.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Margrit Holzhammer (Margrit Holzhammer)
    Auch hier, die Schweiz baut sich laufend ab: Züspa weg, Muba weg, Comptoir Lausanne weg!
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  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Kaum gibt es keine Rekordbeteiligung beschliessen die Verwaltungsräte "Bude dicht". Mehr Glamur, mehr Eintrittsgeld mehr digital: Das zieht ja noch weniger Leute an, denn der homo digitalis lebt isoliert, glamur gibt es im TV und die Eintritte sind eh schon jenseits. Daher stimme ich PIP zu mit seiner Analyse und die Mega- und Gigamessen haben auch als Terramessen ausgedient. Der Streichelzoo hat Zukunft!
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Dass es klassische Konsummessen heute schwer haben, glaube ich in dieser Verallgemeinerung nicht. Das ist m.E. eine Schutzbehauptung von mch. Für die Messe Zürich, Basel oder Bern mag das stimmen: es ist schlicht zu teuer geworden. Für Aussteller und Besucher. Dass Konsummessen eben NICHT tot sind, so lange man das Preisgefüge (und die Lokation!) angemessen lässt, beweisen, Züri Oberland Mäss, WintiMäss, Schaffhauser Herbstmesse u.v.m.!!!
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