Bauen direkt unter der Anflugschneise: Tabubruch in Kloten

In Kloten darf erstmals seit Jahren direkt unter der Anflugschneise für die Piste 28 gebaut werden. Grund sind die neue Lärmschutzverordnung des Bundes und der Wunsch der Flughafengemeinden, stärker zu wachsen.

Ein Gebäude, durch einen Abstand sieht man ein Flugzeug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Osten wurden die Lärmschutz-Vorschriften gelockert. Das macht das Bauen möglich. Keystone

Bauen direkt unter der Anflugschneise des Flughafens, das will keiner. Könnte man meinen. Zwei private Grundstückbesitzer sahen dies anders und haben ein Baugesuch eingereicht. Und siehe da: Die kantonalen Lärmspezialisten gaben grünes Licht, wie die Landzeitungen am Dienstag berichteten.

«  Die Gemeinden möchten wieder wachsen. »

Wilhelm Natrup
Zürcher Kantonsplaner

Eine Überraschung, denn in den letzten zehn Jahren war das Bauen nicht möglich. Die Lärmschutzverordnung verbot es, der Lärm in den Abendstunden war zu stark. Doch vor etwas mehr als einem Jahr wurde die Lärmschutzverordnung angepasst - und zwar auf Wunsch der Flughafengemeinden, sagt Kantonsplaner Wilhelm Natrup. «Sie wollten, dass an Orten, die nicht übermässig belärmt sind, wieder gebaut werden darf.»

Kloten freut sich über den Entscheid

Mit der neuen Lärmschutzverordnung wird der Lärm zwischen 22 und 23 Uhr weniger stark gewichtet. So wird Land freigespielt und darf bebaut werden. Dabei handle es sich aber nur um wenige Hektaren, betont Wilhelm Natrup. In Kloten könnte Wohnraum für einige hundert zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner entstehen.

Der Klotener Stadtrat Max Eberhard spricht von einem guten Entscheid. «Wir hatten keine Möglichkeit zu wachsen. Nun können wir die Infrastruktur wie Strassen und öffentlicher Verkehr besser ausnutzen.» Nur: Ziehen so nicht einfach mehr Leute nach Kloten, die sich dann später über Fluglärm beschweren? Nein, sagt Max Eberhard: «Die Klotener sind zwar am stärksten vom Fluglärm betroffen, beklagen sich aber viel weniger als andere.»

«Schizophrene Situation»

Kantonsplaner Wilhelm Natrup sieht es etwas differenzierter. «Die Situation ist in gewissem Masse schizophren. Die Gemeinden wollen wachsen, gleichzeitig wird dann aber auch der Druck grösser, gegen mehr Fluglärm vorzugehen.» Eines sei aber sicher: Die Bewohner können keine Forderungen stellen wegen des Fluglärms. Denn sie wissen, worauf sie sich einlassen.