Beschwerden gegen KESB-Entscheide: Jetzt braucht's mehr Personal

Mit der Einführung des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts wollte der Kanton Zürich eigentlich Stellen einsparen. Doch die Rechnung ging nicht auf: Weil unerwartet viele Entscheide der KESB in Frage gestellt werden, müssen die Bezirksräte als Rekursinstanzen ihr Personal aufstocken.

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Bildlegende: Bei der KESB türmen sich die Pendenzen. Zudem sind KESB-Fälle heikel und aufwendig. Keystone

In sechs der zwölf Bezirke des Kantons Zürich werden zurzeit juristische Sekretärinnen oder Sekretäre gesucht. Es sind dies die Bezirke Dielsdorf, Dietikon, Hinwil, Pfäffikon, Uster und Zürich. Grund für die Stellenausschreibungen sei in der Tat die KESB, sagt Marcel Tanner, Vorsitzender der Zürcher Statthalterkonferenz, auf Anfrage des «Regionaljournals».

«  Unsere Erwartung traf nicht ein - im Gegenteil. »

Marcel Tanner
Vorsitzender der Kantonalzürcher Statthalterkonferenz

Vor der Einführung des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrechts habe man gemeint, mit der neuen Behörde liesse sich produktiver arbeiten. Man habe entsprechend Stellen gestrichen. Angesichts der unerwartet vielen KESB-Fälle müssten manche Bezirkskanzleien jedoch nun wieder personell aufstocken. Denn die KESB-Beschwerden machten zwar nur etwa ein Drittel bis die Hälfte aller sozialen und juristischen Fälle aus, welche die Bezirkskanzleien zu bewältigen hätten, sagt Tanner. KESB-Fälle seien jedoch juristisch vergleichsweise heikel und deshalb auch äusserst arbeitsintensiv.

Eine Folge des «Falls Flaach»

Ruedi Winet, Präsident des Dachverbands der KESB, erklärt sich die vielen Beschwerden auch mit dem Fall Flaach. «Die Verunsicherung bei den Leuten ist grösser geworden», sagt er. «Wir hatten in unserer KESB Pfäffikon letztes Jahr doppelt so viele Beschwerden wie im Jahr zuvor.» Doch Ruedi Winet sieht noch einen weiteren Grund für den Anstieg der Beschwerden: den Wechsel von einer Laien- zu einer Profibehörde: «Von einer Profibehörde erwartet man mehr. Deshalb müssen wir uns mehr erklären.»

Die ausgeschriebenen Stellen bei den Bezirksräten sind auf ein Jahr befristet. Marcel Tanner hofft, dass sich die Fallzahlen in dieser Zeitspanne wieder normalisieren. «Sicher sein können wir aber nicht, und in dieser Unsicherheit denken wir, der Situation mit befristeten Anstellungen am ehesten Rechnung zu tragen», meint Tanner. Ob die Massnahme genügt, bleibt vorderhand unklar. Eine Prognose ist laut Marcel Tanner schwierig.