Ein bisschen vegan Bevormundung oder Aufklärung?

Die Stadt Zürich soll veganer werden – aber nur ein bisschen. Das Zürcher Stadtparlament hat der Veganer-Initiative «Nachhaltige und faire Ernährung» einen Gegenvorschlag gegenübergestellt, der weniger weit geht als die Volksinitiative.

ältere Frau sitzt an gedecktem Tisch und studiert die Speisekarte Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jeden Tag ein veganes Menü in den Zürcher Altersheimen. Dies fordert die Initiative «Nachhaltige und faire Ernährung». Keystone

Die Volksinitiative der Denkfabrik Sentience Politics und der Jungen Grünen fordert unter anderem ein tägliches veganes Menü in sämtlichen städtischen Betrieben und Institutionen. Auch soll künftig für Veranstaltungen die Auflage gelten, dass vegane Speisen angeboten werden müssen. Weiter soll eine Stiftung zur Förderung einer nachhaltigen pflanzlichen Ernährung gegründet werden.

Der Stadtrat lehnt die Initiative aber ab, da er andere Wege als zielführender erachtet. Der Fokus der Initiative liege allein auf der Förderung der pflanzlichen Ernährung, die einen Teilaspekt der nachhaltigen und gesunden Nahrung darstelle. Aus ökologischer Sicht fehlten Aspekte wie Regionalität, Saisonalität, Transport, Bodenbewirtschaftung und Food Waste.

Ergänzung der Gemeindeordnung

Auch eine Mehrheit des Gemeinderates stellte sich am Mittwoch hinter die Argumente des Stadtrates. Die Initiative sei gut gemeint, gehe aber einfach zu weit, hiess es beispielsweise von der Alternativen Liste. Einzig die Grünen setzten sich für das Anliegen der Initianten ein. Unterstützt von SP und GLP stellten sie der Initiative zudem einen Gegenvorschlag gegenüber, der weniger weit geht.

Damit soll in der Gemeindeordnung der Artikel zur Erreichung der 2000-Watt-Gesellschaft mit einer weiteren Ziffer ergänzt werden. Darin soll festgehalten werden, dass die umweltschonende Ernährung gefördert und mehr über den Einfluss der Ernährung auf das globale Klima informiert werden soll.

Gegen Vorschriften und Bevormundung

Für die Alternative Liste macht der Gegenvorschlag die Sache aber nicht besser: Das Anliegen gehöre nicht in den Artikel der 2000-Watt-Gesellschaft, sagte der AL-Sprecher. Die CVP wehrte sich gegen Vorschriften, wie man sich verpflegen soll, und SVP und FDP sprachen von Bevormundung.

Der Rat unterstützte den Gegenvorschlag schliesslich mit 61 Ja- zu 55 Nein-Stimmen. Ob der Gemeinderat auch die Volksinitiative unterstützt, diskutiert er in einigen Wochen bei der Schlussabstimmung. Das letzte Wort hat sowieso das Stadtzürcher Stimmvolk. Die Initianten erklärten gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen», dass sie ihre Initiative nicht zugunsten des Gegenvorschlags zurückziehen.