Raser-Problematik «Das Auto gibt dem Raser ein besseres Selbstwertgefühl»

Ein Raser fährt nicht einfach viel zu schnell. Er gefährde auch sein eigenes Leben und das von anderen. Damit sei bei einem Raser immer auch kriminelle Energie mit im Spiel, erklärt die Zürcher Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli-Biétry als Regionaljournal-Wochengast.

Ein Frau mit Brille und kurzen, blonden Haaren in einem Aufnahmestudio Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli-Biétry beurteilt seit 30 Jahren, ob Raser wieder ans Steuer eines Autos dürfen. SRF

Dank Videos von Strassenrennen gelang der Kantonspolizei Zürich kürzlich ein Schlag gegen die Raserszene. Wie vergangene Woche bekannt wurde, konnte die Polizei 22 Personen in verschiedenen Kantonen vorübergehend verhaften. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Für die Zürcher Verkehrspsychologin Jacquline Bächli-Biétry ist klar: «Das ist nur die Spitze eines Eisberges.» Wie sie als Regionaljournal-Wochengast sagte, sei das Raserproblem viel verbreiteter, als man denke. Jacqueline Bächli-Biétry kennt die Raser. Seit bald 30 Jahren erstellt sie die psychologischen Gutachten für Raser, wenn sie ihren Fahrausweis - nach einem Entzug - wieder zurückhaben können.

Die Sozialkompetenz ist entscheidend

Raser haben die unterschiedlichsten Erklärungen, warum sie mit massiv übersetzter Geschwindigkeit über die Autobahn rasen oder sich ein Rennen liefern. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Gefahr ausblenden. Den Rasern fehle es an Empathie, an Einfühlungsvermögen. Dies sei aber der entscheidende Punkt, damit ein Raser sein Verhalten auf der Strasse ändern könne, sagt Jacqueline Bächli-Biétry.

Der typische Raser ist jung und männlich

Die meisten Raser sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Die Verkehrspsychologin bestätigt die Statistik der Polizei, dass über 50 Prozent der Raser einen Migrationshintergrund haben. Wichtiger scheint Jacqueline Bächli-Biétry aber die Tatsache, dass die meisten Raser aus sozial schwierigen Gesellschaftsschichten kommen. «Raser haben meistens eine schlechte Ausbildung, eine abgebrochene Lehre, sind häufig arbeitslos und haben schlechte Zukunftsperspektiven», sagt die Verkehrspsychologin. Das Auto werde damit zu einer Selbstbestätigung, mit dem Rasen wollen sie dazugehören, sich positionieren und Eindruck machen.

Massnahmen gegen das Raserproblem

Die Schweiz hat seit 2013 ein schärferes Gesetz gegen Raser. Das Gesetz definiert ganz klar, mit welcher Geschwindigkeit jemand als Raser gilt. Allerdings glaubt Jacqueline Bächli-Biétry, dass weitere Massnahmen nötig sind, um das Raserproblem in den Griff zu bekommen. Sie sieht dabei vor allem die Autobranche in der Verantwortung. Junge Männer, die noch nicht viel Erfahrung haben, dürften eigentlich keine Autos mit starken Motoren leasen oder mieten dürfen, so Jacqueline Bächli-Biétry.