Das letzte Offizium: Abgesang auf das Dada-Jubiläum

165 Mal hat der Direktor des Cabaret Voltaire persönlich zum Stundengebet auf einen mehr oder weniger bekannten Dadaisten oder eine Dadaistin eingeladen. Am Montag ging die Reihe zum Dada-Jubiläumsjahr in leicht melancholischer Stimmung zu Ende.

Die Rückenansicht des Dada-Direktors und sein Spiegelbild. Im Spiegel verzerrt auch sein Publikum. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: ombula / take / bitdli... : Adrian Notz zelebriert das letzte «Offizium für einen Dadaisten» vor andächtigem Publikum. SRF

Josef Haubrich – so heisst der Dadaist, dem Adrian Notz sein letztes Offizium gewidmet hat. Knochentrocken trägt der Direktor des Cabaret Voltaire den Lebenslauf des Künstlers vor. Etwa 20 Männer und Frauen haben sich zum letzten Mal in der Krypta des Dada-Geburtshauses versammelt, um diesem «Stundengebet für einen Dadaisten» beizuwohnen.

Von Aisen bis Zayas

Die Offizien waren Teil des Projekts «Obsession Dada: 165 Feiertage», dem Beitrag des Geburtshauses der Kunstbewegung zum 100-jährigen Jubiläum von Dada. Eröffnet wurde die Reihe am 5. Februar mit dem Offizium für Armanda von Dulgedalzen (Pseudonym), die 1944 in Auschwitz von den Nazis ermordet wurde. Täglich konnten die Besucherinnen und Besucher im Rahmen der Offizien etwas über einen Dadaisten, eine Dadaistin erfahren. Unter ihnen so bekannte wie Hugo Ball oder Sophie Täuber-Arp und so unerwartete wie Albert Einstein oder Friedrich Wilhelm Nietzsche.

Klagen mit einem Lächeln im Gesicht

Adrian Notz durfte zu den morgendlichen Stundengebeten viele Stammgäste begrüssen, für die sich das «Morgengebet» fast schon zu einem Ritual entwickelt hatte. Gemeinsam rezitierten sie an diesem letzten Morgen zum Abschluss der Reihe ein Gedicht von Hugo Ball mit dem passenden Titel «Totenklage». Trotz aller Melancholie konnten sich viele dabei ein Lächeln nicht verkneifen.