10 Jahre Sozialdetektive Der ehemalige Zürcher Kantonsrat Urs Lauffer blickt zurück

Urs Lauffer war einer der Mitbegründer der Stadtzürcher Sozialbehörde. Er erinnert sich an einen brennenden BMW und das politische Feingefühl, das es damals brauchte.

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Ein abgefackelter BMW brachte alles ins Rollen

Urs Lauffer, in einem blauen Hemd vor  Mikrofonen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Urs Lauffer, Mitbegründer der Zürcher Sozialbehörde, an einer Medienkonferenz 2014. Keystone

SRF: Urs Lauffer, am 1. Mai 2007 fackelten sogenannte Chaoten einen BMW ab. Dann stellte sich heraus, dass er einer Frau gehörte, die Sozialhilfe bezog. Was dachten Sie, als Sie das hörten?

Urs Lauffer: Zuerst konnte ich es nicht glauben und dachte: Das ist jetzt der Gau. Dass so jemand einen teuren Wagen fährt, war unglaublich. Dass gerade dieser BMW angezündet wurde, war reiner Zufall. Aber der Fall hat viel ausgelöst.

Sie waren damals schon jahrelang in der Sozialhilfe aktiv und haben als Erster den Finger auf den Missbrauch gehalten. War das ein Tabubruch?

In den bürgerlichen Parteien beschäftigte man sich in den 90-er Jahren nur sehr marginal mit der Sozialhilfe. Das war ein Thema der Linken. Dann kam die SVP und sagte, es handle sich hier um Geldverschleuderung. Das sei nicht mehr verantwortbar. Der vermutete und der tatsächliche Missbrauch kamen dazu, und das ergab eine unheilvolle Mischung. Mir war aber klar: Sozialhilfe funktioniert nur, wenn die Mehrheit der Bevölkerung dahinter steht. Die Missbrauchsdebatten führten dazu, dass diese Legitimation nicht mehr da war.

Dann wurden die Sozialdetektive eingeführt. Woher kam die Idee?

Die Idee kam eigentlich von der SVP. Aber wir mussten einen Weg suchen, der umsetzbar und rechtsstaatlich vertretbar war. Und Wirkung erzielte. Das war mir wichtig. Der Rechten wollte ich sagen: Es kann nicht sein, dass alle grundsätzlich unter Verdacht gestellt werden. Und der Linken musste man die Gefahr aufzeigen, dass die Sozialhilfe von der Bevölkerung nicht mehr getragen werden könnte.