Der Finanzplatz Zürich ist auf Seide gebaut

Zürich war im 19. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren der europäischen Seidenproduktion. Bis zu 50'000 Personen lebten im Kanton Zürich davon. Trotzdem ist die Geschichte dazu bisher nur wenig erforscht. Dank frischem Geld aus dem Lotteriefonds soll das jetzt nachgeholt werden.

Bunte Seidenfäden auf Webspulen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der glänzende Faden hat nichts an seiner Faszination verloren. Die Produktion aber findet kaum noch hier statt. Keystone

Die Zürcherische Seidenindustrie-Gesellschaft (ZSIG) will die Geschichte der Seidenindustrie im Kanton Zürich aufarbeiten und dokumentieren. Am Donnerstag hat der Regierungsrat dafür maximal 2,83 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds locker gemacht. Denn die Seidenindustrie war für den Kanton sehr wichtig, ist Staatsarchivar Beat Gnädinger überzeugt: «Die Bedeutung der Seidenindustrie wurde bisher vermutlich unterschätzt.»

Im 19. Jahrhundert war Zürich eines der wichtigsten Zentren der europäischen Seidenproduktion. Die zahlreichen Seidenunternehmen unterhielten zum Teil Verkaufsbüros in New York und St. Petersburg und beschäftigten im Kanton Zürich bis zu 50'000 Personen.

«  Der ganze Reichtum, der später in die Maschinenindustrie und in die Banken strömte, stammte aus der Seidenindustrie. »

Thomas Isler
Vorstandsmitglied ZSIG

Der Niedergang der Seidenindustrie setzte nach der Weltwirtschaftskrise 1929 ein. Das endgültige Aus kam nach der Ölkrise im Jahre 1973.

Forschung für ein breites Publikum

Die Zürcherische Seidenindustrie-Gesellschaft arbeitet bei ihren Nachforschungen mit dem Zürcher Staatsarchiv und dem Landesmuseum zusammen. Am Schluss soll ein Buch entstehen, das auch ein breites Publikum interessiert. Dazu entsteht im Landesmuseum eine Design-Datenbank mit alten Stoffen und Mustern aus den Archiven der Seidenunternehmen.

Die ZSIG hat schon verschiedene Vorarbeiten geleistet und finanziert. Für die gründliche Aufarbeitung der Geschichte des Seidenhandels im Kanton Zürich braucht es aber mehr Mittel. Alleine die wissenschaftliche Erforschung der Quellen könne man nicht im Alleingang bewältigen.

Die ZSIG erwartet für ihr Projekt auch noch einen Beitrag der Stadt Zürich. Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsparlament, den Beitrag aus dem Lotteriefonds zu bewilligen. Seiner Ansicht nach bietet die Aufarbeitung der Geschichte die Chance, die Seidenindustrie des Kantons Zürich besser im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Das Vorhaben sei zudem gut dokumentiert, solide abgestützt, gut organisiert und mit ausgezeichneten Fachleuten besetzt.

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