Integration von Flüchtlingen «Der Kanton Zürich geht den Weg der Berufsbildung»

Flüchtlinge sollen in der Schweiz bis zum Alter von 25 Jahren ihren Grundschulabschluss machen können. Das fordert der Schweizerische Lehrerverband. Der Kanton Zürich ist skeptisch und setzt lieber auf die Berufsbildung.

Ein Mann aus dem Ausland arbeitet an einer Schularbeit. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grundschulabschluss auch mit 25 Jahren? Der Kanton Zürich sieht Schwierigkeiten mit älteren Flüchtlingen in Regelklassen. Keystone

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Schweizerische Lehrerverband will, dass Flüchtlinge in der Schweiz bis zum Alter von 25 Jahren ihren Grundschulabschluss machen können
  • Dafür sollen sie entweder normale Klassen oder separate Klassen besuchen
  • Die Zürcher Bildungsdirektion sieht keinen Bedarf, diese Idee flächendeckend einzuführen und will lieber den Weg der beruflichen Integration weitergehen

Alleine im Kanton Zürich sind im letzten Jahr rund 500 Flüchtlingskinder neu eingeschult worden. Dies sei reibungslos verlaufen, sagt die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner gegenüber dem Regionaljournal Zürich Schaffhausen – auch dank des Einsatzes von Gemeinden und Lehrpersonen.

Flüchtlinge bis 25 in der Schule

Der Weg, den der Kanton Zürich geht, habe sich bewährt, sagt Steiner weiter. Und deshalb wolle man nicht auf Sonderlösungen setzen. Damit meint sie eine Idee des Schweizerischen Lehrerverbands. Dieser will, dass Flüchtlinge in der Schweiz bis zum Alter von 25 Jahren ihren Grundschulabschluss machen können. Damit würden sich deren Perspektiven verbessern, teilte der Verband jüngst in der Zeitung «Schweiz am Sonntag» mit.

Eine Variante, wie sie auch der Zürcher Lehrerverband begrüsst. Präsidentin Lilo Lätzsch ist der Ansicht, dass vor allem die älteren minderjährigen Flüchtlinge in separaten Klassen unterrichtet werden müssen. «Dort sollen die 16- oder 17-Jährigen Deutsch lernen und allfällige Bildungslücken beseitigen.» Nötig dafür seien zusätzliche Lehrerstellen. Lilo Lätzsch ist aber überzeugt, dass sich die Investitionen in neue Bildungsstellen lohnen würden. Ansonsten würden die Flüchtlinge in die Sozialhilfe abrutschen.

Der Kanton Zürich will die berufliche Integration

Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich spricht sich gegen den Vorschlag des Schweizerischen Lehrerverbands aus. «Wir haben den Weg der Berufsbildung, der beruflichen Integration, eingeschlagen und wollen diesen bei älteren minderjährigen Flüchtlingen auch weitergehen», sagt Regierungsrätin Silvia Steiner. Ergänzend dazu müssten Deutschkurse angeboten werden. Ein grossflächiger Systemwechsel komme für sie aber nicht in Frage.

Einigkeit zwischen Bildungsdirektion und Lehrerverband im Kanton Zürich herrscht im Umgang mit ganz jungen Flüchtlingen. Diese sollen weiterhin so früh wie möglich in die normalen Schulklassen integriert werden.