«Derartige Übergriffe in Gruppen sind ein neues Phänomen»

Eine Gruppe junger Männer, die Frauen sexuell belästigt und beraubt: Solche Vorfälle gab es an Silvester auch in Zürich. Im Verdacht stehen Asylbewerber. Nun will Thomas Kunz, Leiter der Asylorganisation Zürich, den Umgang mit Frauen in den Zürcher Asylzentren noch intensiver thematisieren.

Der Umgang mit Frauen ist in den Asylzentren der Asylorganisation Zürich AOZ seit langem ein Thema. «Beim Eintrittsgespräch erklären wir den Asylbewerbern und Asylbewerberinnen genau, was in der Schweiz erlaubt ist und was nicht», sagt AOZ-Leiter Thomas Kunz. Dabei sei der Respekt vor Frauen ein wichtiger Punkt. «Ausserdem arbeiten in all unseren Zentren Frauen – und die Männer müssen lernen, auch von ihnen Anweisungen zu akzeptieren.» Hinzu kommt, dass die gesellschaftlichen Gepflogenheiten auch im Deutschunterricht zur Sprache kämen.

«  Die meisten Asylbewerber regen sich über die Übergriffe auf. Sie wollen nicht mit den Angreifern in einen Topf geworfen werden. »

Thomas Kunz
Leiter AOZ

Zur Zeit sind die Übergriffe in Köln und Zürich auch in den Asylzentren ein grosses Thema. «Für die Mehrheit der Asylbewerber sind diese Diskussionen schlimm.» Und auch für Thomas Kunz, der bereits lange in der Asylbranche arbeitet, sind die Vorkommnisse an Silvester eine neue Stufe: «Dass eine Gruppe von Männern eine Frau beklaut und sexuell belästigt, davon habe ich noch nie gehört.»

Die AOZ Mitarbeiter würden dem Umgang mit Frauen deshalb einen noch höheren Stellenwert einräumen, verspricht Thomas Kunz. Relativiert aber: «Wenn jemand ein anderes Frauenbild hat, dann muss er unsere Sitten zuerst lernen.» Und genau dafür seien die Asylzentren da.

(fren; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr; Bilder: Keystone)