Dicke Post für Bildungsdirektorin Silvia Steiner

Der Sekundarlehrerverband des Kantons Zürich kritisiert die Umsetzung des neuen Lehrauftrags. Insbesondere ältere Lehrer würden beim Systemwechsel benachteiligt. Weil Gespräche mit dem Volksschulamt bis jetzt nicht fruchteten, hat der Verband einen Anwalt eingeschaltet.

Ein Sekundarlehrer unterricht eine Schulklasse Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ältere Lehrer sollen entlastet werden. Wie dies geschehen soll, sind sich Lehrer und Volksschulamt nicht einig. Keystone

Die Fakten:

  • Ab Alter 57 zwei Lektionen weniger Unterricht pro Woche, 26 statt 28 Lektionen – so sah die bisherige Altersentlastung bei Lehrerinnen und Lehrern an der Zürcher Volksschule aus. Umgerechnet bedeutete dies 116 Stunden weniger Arbeit jährlich.
  • Das neue Arbeitszeitmodell ab 2017 basiert auf einer 42-Stunden-Woche. Lehrer erhalten – wie alle anderen Kantonsangestellten auch – ab 50 Jahren eine Woche zusätzliche Ferien, ab 60 zwei.
  • Das Problem: Mit dem neuen System werden ältere Lehrerinnen und Lehrer nur um 84 Stunden jährlich entlastet.

Systemwechsel benachteiligt ältere Lehrer

Diese Differenz, bemängelt der Sekundarlehrerverband, schlage vor allem bei Lehrern in den späten Fünfzigern zu Buche, diese würden insgesamt nicht mehr im gleichen Umfang entlastet wie bis jetzt. «Der Systemwechsel führt bei ihnen zu Ungerechtigkeiten», sagt der Präsident des Zürcher Sekundarlehrerverbandes, Dani Kachel. Insgesamt, rechnet er vor, führe es zu einer Woche zusätzlicher Arbeit pro Jahr bei gleichem Lohn.

«Wir versuchen, notfalls auf dem Rechtsweg, eine Übergangsregelung zu erwirken.» Zunächst will der Verband jedoch mit einem Schreiben direkt an Bildungsdirektorin Silvia Steiner gelangen. «Ein Anwalt wird die rechtliche Situation genau darlegen.» Der Brief beinhaltet aber auch einen Lösungsvorschlag: «Wir fordern, dass Lehrer bereits ab 55 Jahren zwei Wochen Ferien erhalten.» Das, so Kachel, wäre dann zumindest eine kleine Kompensation.

«Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen»

Beim Volksschulamt ist man sich der Problematik bewusst. «Wir hatten deswegen einen regen Austausch mit den Lehrerverbänden, insbesondere mit dem Sekundarlehrerverband», sagt Marion Völger, Chefin des Zürcher Volksschulamtes. Zu einer Lösung ist man bis jetzt aber nicht gekommen. Marion Völger ortet ein grundsätzliches Verständnisproblem: «Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Man kann die beiden Systeme nicht gegeneinander aufrechnen.»

Volksschulamt bleibt hart

Mit der heutigen Regelung, die Lehrer nach Lektionen vergütet, wisse man schliesslich nicht genau, wie viel die Lehrer tatsächlich arbeiteten. «Ausserhalb des Unterrichts leisten die Lehrer weitere Arbeiten wie Elterngespräche, Teamarbeit, Weiterbildung.» Mit dem neuen System werde die tatsächliche Arbeitszeit zum ersten Mal erfasst. Vermutlich bestehe noch weiterer Erklärungsbedarf, so Völger, den das Volksschulamt gerne zu leisten bereit sei. Mehr liege allerdings nicht drin:

«  Der Systemwechsel ist ausgehandelt. Eine Änderung müsste noch einmal vor den Kantonsrat. »

Marion Völger
Leiterin Volksschulamt

Trifft der Brief des Anwalts ein, will das Volksschulamt noch einmal das Gespräch mit den Lehrern suchen. Auch Dani Kachel hofft auf eine gemeinsame Lösung. Fruchtet jedoch alles nichts, sollen die Richter den Fall entscheiden.