Die Dirigenten im Himmel des Opernhauses

Ob ein vier Meter hoher Marionetten-Dinosaurier, die Regenanlage oder einfach Beleuchtung und Vorhang. Was sich im Zürcher Opernhaus von oben auf Bühne bewegt, wird dirigiert von einem Schnürmeistern. Ein alter Beruf, für den man keine Ausbildung benötigt, aber sicher schwindelfrei sein muss.

«Wenn mich jemand auf meinen Beruf anspricht, sage ich jeweils, ich sei der, welcher den Damen das Korsett schnürt», sagt Schnürmeister Jean-Perre Zbinden mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich ist Zbinden verantwortlich dafür, dass Beleuchtung, Regen oder die Kulisse rechtzeitig vom Opernhaushimmel auf die Bühne schwebt.

Die Galerien hoch über der Bühne sind das Reich der Schnürmeister - bis zu 21 Meter über Boden. Schwindelfrei muss man sein, um den alten Beruf ausüben zu können, eine mechanische Lehre muss man abgeschlossen haben und gut mit Seilen und Hebeln umgehen können.

«Früher wurden alle Zugstangen über Handseile bedient, heute benutzen wir Joysticks», sagt Zbinden im «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». «Als Schnürmeister ist man ein kleiner Dirigent. Vorne der Vorhang, hinten die Beleuchtung - das alles müssen wir aneinander vorbei dirigieren», sagt sein Kollege Dirk Rettinghausen. Und manchmal sei es wie im Marionettentheater - etwa, wenn die Schnürmeister einen vier Meter hohen Dinosaurier durch die Luft zirkeln müssen.