Die Sexboxen auf der Schauspielhaus-Bühne

In Elfriede Jelineks Stück «Über Tiere» kommen wohl Häschen und Stuten vor. Aber gemeint sind Frauen, die man wie eine Pizza bestellen kann und mit denen man fast alles machen darf. Ein grosser Teil des Textes basiert auf Abhörprotokollen eines Wiener Call-Girl-Rings und zeigt ein trauriges Bild.

Wie ein Affenfels in einem Zoo steht ein graues Bergmassiv auf der Spielfläche in der Box im Zürcher Schiffbau. Und während die Sängerin Polly Lapkovskaja ein trauriges Lied anstimmt, schält sich eine Frau ganz in Weiss aus der Bergspitze. 50 Minuten dauert ihre Erinnerungsrede an einen fernen Geliebten. Ein Monolog, der nicht nur von der Schauspielerin, sondern auch vom Publikum höchste Konzentration erfordert.

Heftiger Mittelteil

Wie Tiere, Affen oder wilde Katzen, schleichen drei Frauen im Mittelteil über den Felsen – das meistbenutzte Wort ist hier «ficken». Denn Elfriede Jelinek montiert Originaltexte aus Abhörprotokollen zu einer deftigen Wortcollage. In einem Wiener Call Girl-Ring bestellen Freier Mädchen wie ein Stück Pizza. Da wird verkauft und gekauft. Genau wie in den Verrichtungsboxen in Zürich Altstetten. Für die Zürcher Aufführung von «Über Tiere» hat die Autorin einen dritten Textteil geschrieben, in dem sie sich Gedanken über diese seltsame Einrichtung macht.