Letzte Holocaust-Überlebende Die Zeit läuft buchstäblich davon

Die letzten Schweizer Holocaust-Überlebenden haben ein hohes Alter erreicht. Ihre Geschichten sollen jedoch nicht vergessen gehen. In einer sehr persönlichen Ausstellung legen diese Menschen noch einmal Zeugnis ab und berichten von Erinnerungen, die kaum in Worte gefasst werden können.

«  Dann hat man mich tätowiert: 71978. Da habe ich sehr geweint. Nicht wegen des Schmerzes, nein, wegen der Nummer. Denn ich hatte den Namen verloren, ich war nur noch eine Nummer. »

Nina Weil
Holocaust-Überlebende

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Die Eckdaten zur Ausstellung

Die Ausstellung über die letzten Schweizer Holocaust-Überlebenden ist vom 2. Mai bis zum 3. Juni 2017 im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich zu sehen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Ein mittelgrosser Raum, die Wände schwarz verkleidet. Rundum hängen grossformatige, schwarzweisse Porträts der Holocaust-Überlebenden. Sie blicken einem direkt ins Gesicht. Kein Detail in den zum Teil von tiefen Furchen durchzogenen Gesichtern verrät etwas darüber, was diese Menschen erlebt haben. Fast alle blicken sie heiter und offen in die Kamera.

«  Als sie uns befreiten, war ich praktisch tot. An was ich mich noch erinnern kann, sind Berge von Leichen - das kann man nicht vergessen. »

Egon Holländer
Holocaust-Überlebender

Für die Ausstellung standen rund ein Dutzend Überlebende dem Fotografen Beat Mumenthaler Porträt – es sind schlichte Bilder, ausdrucksstarke Bilder. Darunter stehen kurze biographische Angaben und ein Zitat.

«  Ich erinnere mich an polierte Stiefel, Schäferhunde an der Leine der Offiziere und das riesige Hakenkreuz in der marmornen Eingangshalle. »

Eva Koralnik-Rottenberg
Holocaust-Überlebende

Die Zitate stammen aus den Filmporträts, die der Zürcher Regisseur Eric Bergkraut zusätzlich für die Ausstellung umgesetzt hat. Diese Dokumente sind auch als Archiv für die Zukunft gedacht, sagt Anita Winter, Präsidentin der Gamaraal Stiftung, die die Ausstellung konzipiert hat. Eine Ausstellung gegen das Vergessen.

«  Ich habe das ganze Einmaleins unter schlimmsten Umständen gelernt. Meine Mutter hat gesagt: ‹Das wirst du in deinem Leben noch brauchen.› Das war magisch. Das hiess, du wirst überleben. »

Ivan Lefkovits
Holocaust-Überlebender