Ein groteskes Puppentheater

Mit einem Knaller eröffnet das Zürcher Opernhaus die neue Spielzeit. Hausherr Andreas Homoki inszeniert den «Wozzeck» von Alban Berg als groteskes Puppenspiel. Fabio Luisi, der Chefdirigent des Opernorchesters, zaubert im Orchestergraben und Christian Gerhaher gibt ein fulminantes Rollendebut.


Bühnenbild aus «Wozzeck», Opernhaus Zürich Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Welt gerät aus den Fugen, die Rahmen werden ver-rückt. Monika Rittershaus

Auf diesen Sänger hat man in Zürich gewartet: Christian Gerhaher gilt zurzeit als der interessanteste Bariton in der Musikwelt. Ausgesprochen fein und differenziert singt er auch seinen ersten Wozzeck. Eine Partie, die von einem Sänger viel verlangt. Feine lyrische Stellen, heldenhaft laute und heiklen Sprechgesang. Christian Gerhaher kann alles.

Der neue «Wozzeck» ist aber nicht einfach eine one man show. Im Gegenteil. Jede Rolle ist präzis besetzt und genau gezeichnet. Das ganze Ensemble und auch der Chor überzeugen bei dieser ersten Premiere der neuen Spielzeit.

Wenn die Welt aus den Fugen gerät

Andreas Homoki, Regisseur und Opernhausdirektor, verzichtet auf jeglichen Realismus. Er lässt die ganze Oper in einem Guckkasten mit verschiedenen goldgelben Rahmen spielen. Wie bei einem Puppentheater sieht man meistens nur Oberkörper und Köpfe. Diese sind grotesk verzehrt und überzeichnet.

Manchmal ist der Rahmen gross und weit, manchmal schieben sich mehrere Rahmen hintereinander und wenn Wozzeck seine geliebte Marie umbringt, wenn seine Welt endgültig aus den Fugen gerät, dann kippen auch die Rahmen. Die Welt steht Kopf. Grossartige Bilder sind das, die das Premierenpublikum begeisterten.

(kerf, Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:32 Uhr)