Cabaret Voltaire Ein Zürcher Dadahaus zu welchem Preis?

Mit einem Immobilientausch will der Zürcher Stadtrat die Geburtsstätte des Dadaismus, das Cabaret Voltaire, erwerben. Ein Streitgespräch zur städtischen Abstimmungsvorlage.

Zwei Männer und eine Frau vor Kunstwerk Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Von links nach rechts: Markus Notter (SP), Andrea Leitner (AL), Daniel Regli (SVP) SRF

SRF: Markus Notter, warum finden Sie es wichtig, dass die Liegenschaft mit dem Cabaret Voltaire in den Besitz der Stadt Zürich übergeht?

Markus Notter: Wir haben letztes Jahr 100 Jahre Dada gefeiert. Und man konnte sehen: Die Dada-Bewegung lebt heute noch. Sie ist wichtig für Zürichs Geschichte und Gegenwart. Auch international wurde das Jubiläum wahrgenommen wie kein anderes Ereignis. Ein französischer Journalist sagte mir: Das Cabaret Voltaire ist eigentlich der Eiffelturm von Zürich! Ich denke, wir brauchen Orte, die Geschichte haben, wo Geschichten erzählt werden und die lebendig sind.

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Die Vorlage in Kürze

Die Stadt Zürich will von der Anlagestiftung Swiss Life das Haus Spiegelgasse 1 mit dem Cabaret Voltaire und ein Wohnhaus in Zürich-Enge übernehmen. Dafür erhält Swiss Life eine städtische Bauparzelle an der Hallenstrasse und ein Wohn- und Geschäftsgebäude an der Rämistrasse. Die AL hat gegen den «Rosstäuschertrick»-Tausch das Referendum ergriffen.

Sie, Andrea Leitner, finden es nicht zwingend, dass die Stadt Zürich das Haus im Niederdorf übernimmt. Warum nicht?

Andrea Leitner: Von mir aus kann die Stadt das Haus schon übernehmen. Bei dem Liegenschaftendeal will die Stadt aber ein Grundstück an der Hallenstrasse abgeben, auf welchem wir 20 günstige Dreizimmerwohnungen erstellen könnten. Swiss Life hat nicht den Ruf, sozialverträglich zu bauen, dort werden also Luxuswohnungen entstehen. Die Stadt gibt auch ein Geschäftshaus an der Rämistrasse ab, wo alteingesessene Mieter drin sind. Auch hier werden die Preise steigen. Kulturpolitik muss lösgelöst von der Liegenschaftenpolitik stattfinden.

Daniel Regli, sie nicken. Stimmen Sie Andrea Leitner zu? Ist der geplante Immobilientausch der Stadt Ihrer Meinung nach ein schlechter Deal?

Daniel Regli: Wir betrachten das alles von einer anderen Seite. Wir sind ganz generell gegen die Vorlage, weil das Dada-Revival ein Flop ist. Wenn wir das Budget 2018 des Cabaret Voltaire anschauen, finden wir dort 750'000 Franken Einnahmen durch Shop und Restaurant und nur 3000 Franken Einnahmen durch den Ticketverkauf. Das Ziel eines Dada-Revivals hat man also verpasst. Das Volk kommt in die Beiz, ja, aber Kultur wird hier nicht rezipiert. Es braucht kein städtisches Cabaret Voltaire, das kann man privatisieren.

(ganm; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)