Eine Kerze für den Birnbaum

Das eiskalte Wetter hält die Bauern auf Trab. Um die zarten Blüten an den Bäumen zu schützen, greifen sie zu ganz verschiedenen Methoden, vom Kerzenlicht über Vliesdecken bis zum Eismantel. Das funktioniert allerdings nicht überall.

Apfelblüten mit einer Eisschicht als Frostschutz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bauern besprühen die Blüten mit Wasser, um sie vor dem Frost zu schützen. Keystone

In den nächsten Tagen kontrollieren die Bauern das Aussenthermometer sehr genau. Gegen Ende Woche sind klare und eiskalte Nächte angesagt. Bis zu minus vier Grad prognostiziert SRF Meteo. Besonders für Kirsch-, Apfel- und Birnbäume sei es gefährlich, wenn die Temperaturen unter Null sänken, sagt Hagen Thoss von der Fachstelle Obst im Zürcher Strickhof: «Die Blüten gefrieren und geben keine Früchte mehr.»

Künstlicher Eismantel als Kälteschutz...

Damit es nicht so weit kommt, greifen die Zürcher Obstbauern zu verschiedenen Mitteln. Erdbeerbeete beispielsweise schützen sie mit Vliesstoff vor der Kälte. Für Obstbäume wiederum gibt es die Möglichkeit einer Eisbewässerung: Die Blüten werden während der kalten Tage und Nächte besprüht. Hagen Thoss: «Das gefrierende Wasser verhindert, dass die Temperatur in den Blüten unter null Grad sinkt, da diese dann von einem Eismantel umgeben sind.»

...oder Riesenkerzen als Wärmespender

Eine beinahe romantische Methode wendet Obstbauer Peter Eichenberger an: Er stellt Kerzen unter seine Birnbäume, allerdings solche mit grossem Kaliber. «Das sind Dreiliter-Kübel mit Paraffinkerzen. Da verteilen wir 200 bis 400 Kerzen pro Hektar.» Die Flammen erwärmen die Luft rund um die Bäume.

All diese Methoden funktionieren bei Temperaturen bis zu minus fünf Grad. Sinkt das Thermometer noch weiter, helfen auch Feuerchen und Vliesdecken nicht mehr. Und vielerorts ist auch die Eisbewässerung nicht möglich: Bei grossen Obstkulturen macht sie riesige Mengen von Wasser nötig, es braucht also einen Bach- oder Seeanschluss. Und Kerzen oder wärmende Feuerchen anderer Art nützen nur, wenn überhaupt kein Wind weht und auch keine Brandgefahr besteht.

Mann in grauem Faserpelz neben einem kleinen Kirschbaum in einer Kirschenplantage Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Daniel Wegmann prüft die Kirschblüten auf seinem Höngger Hof. Noch sind sie intakt. SRF

Schlaflose Nächte in Zürich-Höngg

Für Daniel Wegmann beispielsweise kommen beide Methoden nicht in Frage. Wegmann baut in Zürich-Höngg auf neun Hektaren Obst, Beeren und Wein an. Er hat keinen direkten Zugriff auf Wasser, und Kerzen oder kleine Feuerchen kann er nicht verwenden, weil seine Kulturen mitten im Siedlungsgebiet liegen. «Ich habe schlaflose Nächte und hoffe, dass es nicht allzu schlimm kommt», sagt Wegmann.

Frostnächte im Spätfrühling kamen in früheren Zeiten öfters vor. Mit der Erderwärmung seien sie seltener geworden, meint Daniel Wegmann. Meist seien es nur noch die Eisheiligen anfangs Mai, die Probleme machten. In den zwölf Jahren, seitdem er den Familienbetrieb übernommen hat, musste Wegmann nie einen grösseren Schaden an seinen Kulturen in Kauf nehmen. Seinem Vater hingegen, erzählt der Höngger Bauer, sei einst die gesamte Ernte erfroren – und dies noch Ende Mai.