«Es ist normal geworden»

In Zürich Wollishofen drücken hörende und schwerhörige Kinder gemeinsam die Schulbank. Wie funktioniert das Miteinander, wo liegen die Schwierigkeiten, wie sieht dieser Unterricht aus? Das «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» war auf Schulbesuch.

Was früher das Examen war, ist heutzutage in der Stadt Zürich der «Tag der Schulen». Das Stadtzürcher Schuldepartement lud die Medien aus diesem Anlass am Dienstag ins Hans-Asper-Schulhaus in Zürich Wollishofen ein. Sie erhielten Einblick in den Alltag einer 2. Sekundarklasse mit vier Schülerinnen und Schülern mit einer Hörbehinderung.

Auf den ersten Blick ist es ein ganz normaler Unterricht: 19 Mädchen und Jungen hören ihrem Lehrer Alex Labhart zu. Es geht um unser Sonnensystem. Wer genauer hinschaut, sieht das Mikrophon, das sich der Lehrer angesteckt hat. Es ist verbunden mit den Hörgeräten von vier Schülerinnen und Schülern in der vordersten Reihe.

«In meiner alten Klasse habe ich nichts verstanden»

Ihr Blick wandert immer wieder zu einem andern Mann, der vor der Wandtafel steht: Es handelt sich um den Audiopädagogen Werner Böckli. Er hilft den hörbehinderten Kindern: «Ich notiere zum Beispiel etwas auf den Hellraumprojektor, wenn ich merke, dass diese Schüler den Lehrer nicht verstanden haben.» Für die hörbehinderte Jill ist diese Unterstützung wertvoll: «In meiner alten Klasse hatte ich nichts verstanden. Hier gefällt es mir gut.»

So viel Integration wie möglich

Jill und ihre drei Kolleginnen und Kollegen besuchen die Regelklasse so oft wie möglich. Nur bei besonders sprachlastigen Themen und in den Fremdsprachen erhalten sie Unterricht in kleinen Gruppen. Die teilintegrierte Oberstufe im Hans Asper Schulhaus lebt nach dem Grundsatz «So viel Integration wie möglich, so viel Sonderschulung wie nötig». Ein Grundsatz, der sich nach Ansicht der Lehrpersonen und Schulleiter bewährt hat. Auch die Kinder haben sich an ihre hörbehinderten Kolleginnen und Kollegen gewöhnt. «Am Anfang dachte ich, sie hören mich nicht», erzählt zum Beispiel Minir. Dann stellte er fest: Sie hören sehr wohl, man kann mit ihnen sprechen wie mit allen anderen auch, sie sind nett. Und: «Es ist normal geworden.»

Von der Integration profitieren alle, sind Lehrer und Schulleiter überzeugt. Die hörbehinderten Kinder gewinnen zum Beispiel an Selbstbewusstsein, die hörenden Kinder lernen Rücksicht nehmen und haben im anwesenden Audiopädagogen ebenfalls eine Stütze. Nebst der Betreuung der hörbehinderten Kinder ist Werner Böckli auch gern für die anderen da und erklärt zum Beispiel Mathematikaufgaben.