«Europa in Grund und Boden trommeln»

Die Zürcher Dadaisten waren fasziniert und inspiriert von aussereuropäischen Kunst: Afrikanische Masken, ozeanische Statuen, Tänze und Trommeln liessen sie vor 100 Jahren in ihre Werke einfliessen. Eine aktuelle Ausstellung im Museum Rietberg widmet sich diesen überraschenden Inspirationsquellen.

Abstraktes Bild von Sophie Taeuber-Arp Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch Sophie Taeuber-Arp liess sich von afrikanischen Masken inspirieren: Abstraktes Motiv (Ausschnitt), 1917. ZVG

Die Dadaisten wollten die Vernunft aushebeln. Dabei zeigte ihnen die afrikanische und generell die aussereuropäische Kunst den Weg. Dies ist die Haupterkenntnis aus der aktuellen Ausstellung «Dada Afrika» im Museum Rietberg in Zürich. Zu sehen sind 70 Kunstwerke und vielfältig dokumentarisches Material.

Der Dadaist Richard Huelsenbeck versuchte in den 1920er-Jahren zum Beispiel die europäische Literatur mit pseudo-afrikanischen «Negerrhythmen» und «Umba, Umba»-Rufen «in Grund und Boden zu trommeln», wie er schrieb.

«Afrika in Sicht» heisst Huelsenbecks Reisebericht aus dem Jahr 1928. Den Buchumschlag dazu hat der Fotomontagekünstler John Heartfield entworfen. Er zeigt einen europäischen Offizier, der sein Fernrohr auf die ferne Silhouette exotischer Palmen richtet.

Zu diesem Bericht und auch zum Exponat aus Papier und Karton passt besonders gut ein Zitat des Dadaisten Tristan Tzara, das an der Wand eines Ausstellungsraums prangt: «Afrika – Diese neue Welt, die sich im Aufbruch befindet, wird offensichtlich die Welt der Zukunft sein.»

Afrika auf Augenhöhe

Anders als die Expressionisten und Kubisten, die sich schon früher – allerdings aus klar europäischer Perspektive – für afrikanische Kunst interessierten, näherten sich die Dadaisten dem schwarzen Kontinent auf Augenhöhe. Sie übernahmen nicht einfach nur die exotische Hülle dieser Kunst, sondern reflektierten ihre Beziehung zu den fremden Lebenswelten. Ihre Credo war die Gleichwertigkeit.

Die Ausstellung im Museum Rietberg, «Dada Afrika», dauert bis zum 17. Juli.

(sda/frid; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)